Dies ist ein immer wieder gebrauchtes Argument für heimische Sprachverschandler.
Sie verweisen auf die Vergangenheit, die Importe aus dem Griechischen,
Lateinischen und Französischen. Diese haben unsere Sprache im Endeffekt
tatsächlich bereichert, aber nur, weil sie natürlich bedingt
und mengenmäßig überschaubar waren.
Und noch einige aufklärende Worte zur heutigen "Bereicherung" unserer
Sprache von Johannes Rau:
Diese Frage wird von den meisten Deutschen bejaht.
Geschichte - Womöglich wissen nur wenige Befürworter
der englischen Sprache, daß der Rechenautomat, der Rechner
schon in den 40er Jahren nicht im Lande des "Computers", sondern in Deutschland
durch Karl Zuse erfunden wurde und mit ihm wurden auch die ersten EDV-Begriffe
kreiert, deutsche EDV-Begriffe. Es ist nur natürlich daß
diese Begriffe alsbald auch ihre englischen Entsprechungen fanden. Die
Behauptung also, daß deutsche Sprachwahrer jetzt krampfhaft versuchen
englische Termini zu verdeutschen ist also in den allermeisten Fällen
falsch. Sie versuchen nur, selbsterklärende, präzise oder auch
vergessene Wörter wieder hoffähig zu machen. Im Interesse der
Informatik und der Deutschsprachler. Denn nur allzu oft beschreibt das
"originale", angloamerikanische Wort einen Begriff nur schwammig oder entspringt
dem US-amerikanischen Informatikjargon. Hier wären wir also bei den
Möglichkeiten der deutschsprachigen Benennung von EDV-Begriffen.
Es sollte uns Deutschen erlaubt sein, Fachsprachen
auf der Basis unserer eigenen Muttersprache zu verwenden. Sonst erleidet
unsere kommunikative Kompetenz schweren Schaden, wie man aus der Entwicklung
der deutschen Informatik ablesen kann. Vor etwa 20 Jahren noch eine Welt-Spitzen-Informatik,
obwohl keiner ständig mit amerikanistischen Brocken herumwarf; heute:
obwohl alles Pseudo-Amerikanisch daherschnackt, ZWEITKLASSIG. Eben AUCH,
weil sie ihre Sprache aufgegeben hat. Wobei wir bei der
Muttersprache und Informatiksprache
<< Und wie ärgerlich ist es, wenn in den neuen Arbeitsplänen
der Firma
Winzigweich, ständig irgendwelche Käfer sitzen. >>
Und wie ärgerlich ist es, wenn die neuen Betriebssysteme der Firma
Mikkisoft ständig durchwanzt / mottenbefallen / störanfällig
/ voll von
Fehlern sind.
<< Derzeit überlege ich, ob
ich beim Aufrüsten meines Rechners das Mutterbrett behalte und
nur die mittelpunktliche Durchführereinheit austausche. >>
Derzeit überlege ich, ob ich beim Aufrüsten des Rechners die
Mutterplatine (Hauptplatine) behalte und nur die ZVE (Zentrale
Verarbeitungseinheit, auch Zentralprozessor oder CPU genannt) austausche.
<< Hoffentlich ist dann noch das Schlüsselbrett verwendbar.
>>
Hoffentlich ist die Tastatur dann noch verwendbar.
<< Ich weiß aber nicht, ob dann die Weichware, die ich verwende,
noch läuft. >>
Ich weiss aber nicht, ob meine Programme (meine Logikalien) dann noch laufen.
<< Mit Fenster 95 bin ich nicht grade auf der Höhe der Zeit
und ich ärgere mich über meine "Geschäftszimmer 95 beruflich"
Fassung. >>
Mit Windoof 95 bin ich nicht gerade auf der Höhe der Zeit, und
ich
ärgere mich über meine veraltete Version von "Offis 95 Provinziell".
<< Trotz allem halte ich die
Kompaktscheibe-Lies-nur-Erinnerung für einen großen Fortschritt.
>>
Ich hätte mir schon einen Strick genommen, wenn nicht ein ominöser
Kompaktdatenträger mit aufgedrucktem Pinguin mir neue Wege gewiesen
hätte.
1. Bitte nicht vergessen: Der Empfänger Ihrer Nachricht
ist ein Mensch, öfters ist es auch ein ganzes Forum.
2. Das Verfassen einer Nachricht: Erst denken, dann schreiben,
dann lesen, dann nochmal denken und erst
3. Fassen Sie sich kurz! Meiden Sie Rechtschreibefehler
und schreiben Sie verständlich. Ihr Anliegen hat
4. Die "Betreff"-Zeile (subject). Ist praktisch ein Muß.
Eine kurze Beschreibung des Inhaltes ermöglicht dem
5. Vorsicht mit Humor und Sarkasmus! Provozieren Sie keine
Mißverständnisse. Ihrem Leser fehlt die
6. Kürzen Sie Texte auf die Sie sich beziehen auf ein notwendiges
Minimum. Bei direkten Antworten auf ein
7. Achten Sie auf gesetzliche Regelungen! Nicht alles kann
oder sollte im Netz verbreitet werden.
8. Keine Pseudonymität! Schämen Sie sich nicht
Ihres Namens. Die manchmal anzutreffende Unsitte, sich hinter
9. Kommerzielles im Netz? Gezielte und gewünschte
Informationen, vor allem hinterfragte, ja! Dagegen ist
Dazu noch Hartmut Pilch: "Nettikett-Besserwisserei ist schädlicher
als so manche kleine Netzsittenwidrigkeit.
Weitere Informationen z.B. unter: http://www.chemie.fu-berlin.de/outerspace/netnews/netiquette.html
Jede Sprache lebt auch von Lehnwörtern welche im Laufe der Geschichte
die Sprache bereichert haben.
Manche Menschen vertreten die Meinung, daß Lehnwörter unverändert
in die Sprache übernommen
werden sollten, daß auch die überlieferte Schreibweise,
aus Respekt vor der fremden Sprache, bewahrt
werden sollte. Diese Meinung läßt sich schwer aufrechterhalten;
so sagt Rudolf Fischer zu diesem
Thema:
Lassen wir hier in diesem Zusammenhang auch Wolf Schneider zu Worte
kommen:
Hartmut Pilch meint dazu:
Die Wissenschaft wurde in der Vergangenheit vielfach dadurch stimuliert,
daß
unterschiedliche Sprachkulturen mit den ihr eigenen Denkkulturen aufkamen,
so
etwa die französische, britische und deutsche, die jeweils aus
ihren
Sprachen in unterschiedliche, je für sich produktive Denkrichtungen
gelenkt
wurden.
Künftig könnte es für die Wissenschaft einen Aufschwung
geben, wenn sie sich
einer Logiksprache (http://www.lojban.org) bedienen würde.
Eine verfrühte Vereinheitlichung auf der Basis einer sehr begrenzten,
unlogischen und auf bestimmte Denkweisen hin orientierten Nationalsprache,
des
Englischen (oder Denglischen?) würde der Einfalt und Stagnation
in den
Wissenschaften Vorschub leisten.
Die Verwendung unnötiger Fremdwörter wird des
öfteren mit internationalen Kontakten begründet. Außer
acht gelassen wird in solchen Fällen, daß die
ausländischen Kontakte kaum in Denglisch verfaßt sein
können. Da ist die deutsche, englische oder eine andere
Partnersprache mit Sicherheit effektiver. Ein internationales
Unternehmen muß und kann sich in mehreren Sprachen
verständigen. Siehe auch Internationalisierungsbestreben
Dieter. E. Zimmer schreibt in seinem Buch "Deutsch und anders" über
die
schleichende Sprachverhunzung bei der es vom Denglisch, über
Assimilationsschwierigkeiten fremder Wörter, Pidginierung bishin
zum Kreol
kommt (gekommen ist). Daß trotzdem in dieser Situation jegliches
Bestreben, das
Deutsche in der deutschen Sprache zu erhalten, allzu leicht "als Deutschtümelei
ausgepfiffen" werde.
Für einschlägige Wissenschaftler war es schon immer klar: Die Sprache ist das wichtigste Ausdrucksmittel
einer konkreten Kultur. Der Verfall der Sprache, ihre Primitivisierung läßt unweigerliche Rückschlüsse auf
den Stand der Kultur zu. Werte der Kultur: Literatur, Humanwissenschaften, Technik können nur bestehen,
können sich nur weiterentwickeln, wenn der Sprachgemeinschaft eine intakte und reiche Sprache zur
Verfügung steht.
Zur Illustration der Antworten Nr.2 und Nr.5 ein 200 Jahre
alter Text:
Die verdammte Einhelligkeit in der Aufnahme jedes neuen Sprachschnitzers
entspringt aus dem Triebe der Nachahmung, welcher dem großen
Haufen, also auch unsern Sprachverbesseren, Leitstern alles ihres Thuns und Treibens
und leider auch des Schreibens ist: was irgend Einer geschrieben hat, und
sei es ein grober Schnitzer, schreiben sie auf seine Autorität nach: so verbreitet
sich die Pest der Sprachverhunzung. Zum Verzweifeln ist, daß nicht Einer eine Spur
von eigenem Urtheil zeigt, durch Verwerfung und Verhöhnung eines auftauchenden Schnitzers.
Arthur Schopenhauer Einen ähnlichen Gesichtspunkt kann man in dem Beitrag "Zur Geschichte
und Funktion
des Fremdwortes" (Duden-Fremdwörterbuch) finden:
>>> Fragwürdig wird der Gebrauch von Fremdwörtern, wo sie
zur
Überredung oder Manipulation z.B. in der Sprache der Politik oder
der Werbung, mehr oder weniger bewußt verwendet werden oder wo sie lediglich
als intellektueller Schmuck, zur Imagepflege, aus Bildungsdünkel oder
Prahlerei, vielleicht auch nur aus Bequemlichkeit oder Gedankenlosigkeit benutzt
werden, wo also außersprachliche Gründe den Gebrauch bestimmen.<<<
>>> Heute geht es darum, das Grundgerüst der deutschen Sprache
zu wahren.
Man soll mit den Mitteln unserer Sprache weiterhin neue Wörter bilden
koennen. Eine Sprache ist ein System zur Erzeugung neuer Wörter,
und sie zu wahren heißt, das System produktiv zu halten und seine
Weiterentwicklung zu ermöglichen. Darum geht es.
produzieren ==> die Produzierung, der Produzierer, die Produzierweise, die produzierensfördernde Denkweise
auch wenn man eher "der Produzent", "die Produktionsweise" und "die
produktive Denkweise" sagen würde. An diesem Beispiel sieht
man, dass
lateinische Woerter damals, als sie eingeführt wurden, durchaus die
Sprache unregelmäßiger gemacht haben. Aber sie haben andererseits
auch
zu einer Erweiterung des Systems geführt:
formatieren
inkrementieren
proletisieren
spintisieren
Diese Bildungen wären ohne die Endung -ieren, die vom Lateinischen
(-are)
her kommt nicht möglich. Es handelt sich hier um neue Wörter,
die es im
Lateinischen nie gegeben hat.
Hier kann man tatsächlich von "Bereicherung durch Fremdworte" sprechen.
Wie sieht es aber mit Wörtern wie "Prodjuhser" aus?
usw bilden koennte, wäre das Wort vielleicht assimiliert und würde
uns
nicht mehr stören. Aber auch hier muss man fragen: steht
der
Aufblähung unseres Wortschatzes mit zusätzlichen Wurzeln wie "Prodjuhs"
auch ein Gewinn an Ausdruckskraft gegenüber?
All das aber ist kein wirklicher Grund für die Einstellung oder
auch nur die
generelle "Entrümpelung" dieser Listen. So wie Negativbeispiele(unnötige
Fremdwörter in Presse, Radio, Fernsehen) dem Nachahmungseffekt
entgegen kommen,
so sollten auch diese Listen Andersgewillten die Möglichkeit bieten
ihre Gedanken in, der Allgemeinheit verständliche, entsprechende Worte
zu kleiden. Hier kommt es nicht auf die "Verordnung", auf das Muß des Gebrauches
eines bestimmten Wortes an, hier sollte die Möglichkeit der Wahl eines
Synonyms vorhanden sein. Deswegen auch schon mal: verschiedene Wörter,
Wortvorschläge, Worterfindungen, Wörter aus der Klamottenkiste. Das beste davon
wird sich behaupten.
Und es gibt noch einen Grund für die Erstellung von o.g. Wörterlisten.
Die professionellen
Wörterbuchverlage begnügen sich gewöhnlich mit der passiven
Registrierung neu auftauchender Wörter. Eine Klassifizierung im Sinne sprachwissenschaftlicher
Erkenntnisse ob ihres Wertes für die Sprache bleibt aus. Da wird also nicht gesagt ob
dieser Begriff treffender durch dieses oder jenes bekannte deutsche Wort beschrieben
werden kann oder ob er mit Vorbehalten in dieser Form verwendet werden sollte.
Eine neutrale Beurteilung, vor allem mit Hinblick auf die Lage in Deutschland,
ist
schwierig. Befürworter und Widersacher dieses Werkes haben ihre
jeweils
unumstößlichen Argumente. Wir wollen vorab einige Kernaussagen dieses Gesetzes
aufführen:
1. Französische Sprache in Beruf, Unterricht u.Öffentlichkeitsarbeit
Diese Zeilen stellen einen gekürzten und unvollständigen Überblick
des Gesetzes dar,
wobei aber das Wichtigste enthalten sein sollte. Weiteres unter - Frankreich
Vieles aber spricht für ein derartiges Gesetz. Zu dieser Überzeugung
kam auch unser östlicher Nachbar: Das Parlament der Republik Polen verabschiedete ein solches
im Oktober 1999. Weiteres dazu unter: - Polen
Den Mitgliedern des VWDS wurde das Thema: Gesetz ja, Gesetz nein, vorgelegt.
Echte
Ergebnisse, außer einigen Stimmen in der Diskussion, gibt es
noch nicht.
Klar ist nur eins: Der Weg bis dahin wäre noch sehr weit. Und
vieles müßte anders als in den "Vorbildern" geregelt werden.
Oberflächlich gesehen ist Denglisch für viele Menschen nur
eine Sprachverhunzung mit eventuellen Folgeschäden für die Sprache
selbst. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Die Ersetzung bekannter
Begriffe durch der deutschen Sprache nicht gerecht werdende Fremdwörter,
die kritiklose Einführung und Verbreitung fremder Begriffe, ihr Gebrauch
in Verlautbarungen, Werbung und Fernsehen dienen aber auch weniger
offensichtlichen Zwecken. Es ist die Manipulation des Verbrauchers.
... Die größte Gefahr aber stellt die stille
und unmerkliche "Kolonisierung" der Sprache dar, damit sie im Sinne kommerzieller
oder politischer Interessen als verdecktes Herrschaftsinstrument eingesetzt
werden kann. Dadurch wird das Individum im schlimmsten Fall entmündigt
und einer totalitären Herrschaftsstruktur der Boden bereitet. Sprache
ist deshalb geistiger Kampf, in dem sich der Einzelne in seiner Würde
behaupten muß. ...
An einem Beispiel aus der Industrielandschaft, das Harmut Pilch zeichnet,
kann man
die für viele nationale Kulturen zerstörerische Kraft des
Monopolwirkens einer Kultur
wohl am bildhaftesten erkennen:
>>> ...Auch bei den PC-Betriebssystemen sind wir bei einem "natürlichen
Monopol"
einer Firma angelangt, so sagt es zumindest die MS-Verteidigung im
amerikanischen Kartellprozess. Allerdings ist das weniger natürlich
als
bei der Sprache. Bei den Betriebssystemen können mithilfe von
fairen
Standards mehrere Systeme friedlich koexistieren. Die Firma MS
untergräbt jedoch systematisch diese Möglichkeit. Noch entscheidender
ist aber: beim "DAU-Marketing" dreht sich alles um den "dümmsten
anzunehmenden User", und der fragt nicht nach "fairen Standards" sondern
danach, wer im Hegemoniewettbewerb wohl siegen wird. Der DAU
sorgt dafür,
daß auch dort, wo es eigentlich keine Monopole geben müsste, Monopole
siegen. Er sorgt dafür, daß dort, wo es eine Republik geben
könnte,
eine Diktatur entsteht. Man spricht in diesem Zusammenhang auch
vom
Lemmings-Instinkt". Das DAU-Marketing ist besonders auf die Förderung
des
Lemmings-Instinktes angelegt. <<<
[Lemming : Mäuseart; Lemmingsinstinkt : ihr Herdeninstinkt, der
sie bei
Wanderungen und unüberwindbaren Wasserhindernissen in den Massentod
treibt]
Mit diesem Vorwurf muß sich über kurz oder lang jeder Sprachwahrer
auseinandersetzen.
Gegner jeglicher Wahrungsbemühungen der deutschen Sprache benutzen
dieses Wort mit
Vorliebe. Multikulturalismus z.B ist für sie ein viel unbelasteteres
Wort. Denn damit kann
man vieles verkaufen, damit kann man nicht anecken. Es gibt keine
Assoziationen
zur deutschen Vergangenheit.
Sie können oder wollen nicht einsehen, daß gerade die Vergangenheitsbelastung
des
Deutschtums, die daraus resultierende Anfälligkeit der deutschen
Sprache, der Kultur
im Allgemeinen, einer anderen Vorgehensweise als die unserer Nachbarn
bedarf.
Eine gesunde Dosis von Sprachchauvinismus dürfte in unseren Verhältnissen
sehr
angemessen sein.
Auch wenn die 'politische Korrektheit' dem zu widersprechen scheint.
Vorab: Jeder muß (und kann) es für sich selbst machen. Es ist prosaisch einfach.
# Die Anmeldung.
## Die Abmeldung.
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Hat ein Verein das Recht zur Verteidigung der Sprache?
Eigentlich hat jeder Bürger das Recht, sich für die Sprache einzusetzen.
Dabei geht es um keine "Reinhaltung der Sprache" wie manche Kritiker
der Vereine es gerne darstellen. Es geht um den Schutz der Sprache vor
einer Überflutung mit vielen unnötigen Fremdwörten, die die
Verständlichkeit und Aussagekraft der Sprache verringern, die ihren Tiefencode störend
beeinflussen. Wenn z.B. ein Wort eingeführt wird, das 2, 3 oder mehr verschiedene
Wörter ersetzt, dann bedeutet das, daß seine Aussagekraft geringer ist.
(Hülsenwörter)
Wegen fehlender Instanzen, die diesem Phänomen entgegenwirken, haben
sich Bürger zu
Initiativen oder Vereinen zusammengeschlossen.
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Bereicherung der Sprache durch Fremdwörter?
Womöglich waren auch sie anfänglich keine echte Bereicherung
und wurden es erst im Laufe der Zeit durch Begriffsspezialisierungen und
-abstufungen.
Anders verhält es sich heute bei der anhaltenden Überflutung
unserer Sprache, Kultur und gesellschaftlicher Strukturen mit amerikanischen
Wörtern, pseudoenglischen Bennenungen, Modeerscheinungen und den Umbenennungen
in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens.
Dies bringt neben der Unverständlichkeit einzelner Wörter
aber noch schlimmere Folgen für die Sprache, nämlich:
Verdrängung altbekannter, heimischer Begriffe; Einbringung fremder
grammatikalischer Strukturen; Verarmung und Lähmung der Ausdrucksmöglichkeiten;
Unsicherheiten bei der Schreibweise und der Aussprache, Verbreitung von
wenigsagenden Hülsenworten; Vernichtung althergebrachter Wörter
und vieles mehr. (Siehe auch: Hülsenwörter)
Die verheerenden Folgen der heutigen Sprachverhunzung durch "die Sprache
bereichernde Fremdwörter" ist unter diesen Umständen eine gefährliche
Illusion. Die Überzeugung oder gar Verbreitung solcher Argumente dient
ganz anderen Zwecken: Sie ist ein für viele nicht offensichtliches
Instrument der Versklavung einer Sprachgemeinschaft. Durch Verarmung der
Sprache zur Primitivisierung der Bedürfnisse oder anders: Wer sich
nicht mehr artikulieren kann wird auch mit all dem zufrieden sein was man
ihm vorsetzt.
"...Der inflationäre Gebrauch von Amerikanismen in der Werbung
und in den Medien, aber auch in den Veröffentlichungen vieler Unternehmen
und Behörden, soll Fortschrittlichkeit und Modernität signalisieren.
Tatsächlich aber ist er oft ein Hinweis auf die Verarmung der Ausdrucksfähigkeit
in der eigenen Sprache..." (Aus der Ansprache auf dem
Kongress "Gutenbergs Folgen", 23.11.2000).
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Ist "Wahrung" das richtige Wort?
"Wahrung" --> auch Behauptung, Sicherung oder Wahren. Dieses Wort im Namen eines Sprachvereins?
Wird dieses Wort heute zu Unrecht als konservativ oder andersweitig negativ belastet angesehen?
Ja, möchte ich behaupten. So wie viele andere, grundbrave Wörter unserer Sprache in der Zeit nach der
braunen Vergangenheit in Verruf geraten sind, so wurde auch diesem Wort im Namen der heutigen
politischen Korrektheit seine Daseinsberechtigung entzogen.
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Die Sprache der EDV ist Englisch?
Trotzdem das in vieler Hinsicht nicht der Wahrheit entspricht: Ob wir
nun auf die Geschichte der EDV, die Möglichkeiten der deutschen Sprache
oder auch die Kommunikationsbedürfnisse zwischen EDV und deutschen
Nutzern schauen, überall können gewichtige Gegenargumente angeführt
werden.
RAM - random access memory, hat aber trotzdem nichts mit Zufall
zu tun. Direktzugriffsspeicher trifft da den Kern der Sache deutlich besser.
Server - ein mehrdeutiger Begriff, darunter kann man einen Dienstrechner,
aber auch bestimmte Programme verstehen. Der Dienstrechner erbringt Dienstleistungen
für andere Rechner, er hält für sie Daten bereit.
e-mail - ein Begriff der im deutschen Sprachgebrauch gleichzeitig
die Einrichtung: Netzpost und seine Produkte: den (elektronischen)
Brief, die (e-)Nachricht, den Netzbrief umschreibt.
Und noch einige Beispiele, direkt aus der
Wörterliste:
home-site - Netzsitz, Vitrine, Netzpräsenz, Heimatsplatz, Netzplatz
site - Stelle, Platz, Fundstätte, Statt, Standort,
Sitz, WWW-"Knoten"
homepage - Leitseite, Hauptseite, persönliche Seite, Stammseite
Heimatseite, Urseite, Startseite
owner - Besitzer, Eigentümer, Halter, Inhaber, Eigner
provider - Anbieter, Versorger, Netzzugangsdienst, Netzanbieter, Zugangsanbieter
to save - sichern, schützen, speichern, schreiben
update - Aktualisierung, Neufassung, Neubearbeitung, Neuauflage
um nur einige, wenige zu nennen. Der Vorteil für eine deutschsprachige
Benennung macht sich mehrfach bezahlt: dem einzelnen Menschen hilft
er durch Assoziationen präziser verstehen, der Informatik in Deutschland
womöglich zu einem neuen Aufschwung. So sagt auch Klaus Däßler:
Kommunikation zwischen Nutzer und EDV wären. Die Anzahl
der in die EDV eingeschleusten fremdsprachigen Begriffe hat wohl das erste
Tausend überschritten, eine Anzahl von Wörtern mit der eine primitive
Sprache schon auskommt. Nicht verwunderlich also, wenn manche Möchtegern-Informatiker
für die Wahrung ihrer "Exklusivität" sich dieser Sprache bedienen
um sich so von den gewöhnlichen Sterblichen zu distanzieren. Deutlich
kann man das bei Linux, dem nichtproprietären Betriebssystem und seinen
Komponenten beobachten. (Fast) jeder deutsche Programmierer gibt seiner
Arbeit erst einmal einen englischen Namen, erstellt die zu verschiedenen
Programmteilen gehörenden Kommentare, Hilfen und Anleitungen grundsätzlich
in einer englischnahen Sprache und läßt sich selten dazu
herab, dies in Deutsch zu tun. Ähnliche Einstellungen trifft man sogar
bei professionellen Arbeiten für Vertreiber von Linuxkomponenten.
Grundsätzlich aber erlauben erst die in Programmteile eingeflochtenen
Kommentare dem Anwender eine schöpferische und effektive Nutzung dieser
Programme, eine Tätigkeit die gerade bei Linux eine fundamentale Bedeutung
hat. Und womöglich ist das der Grund, daß die Zahl der Linuxanwender
immer noch begrenzt ist. Trotz der enormen Vorteile dieses Betriebssystems.
Ein Auszug aus einer Antwort Klaus Däßlers scheint diese Zusammenhänge
zu bestätigen:
Sie behaupten, es sei besser, bei bestimmten EDV-Begriffen,
für die es von vornherein keine deutsche Bezeichnung gäbe (welche
sind das, ich kenne keine?), die originalen angelsächsischen Bezeichnungen
zu verwenden. Damit plädieren Sie für eine Entmuttersprachlichung
der deutschen Informatik. Nun - den Effekt, den wir damit erzielen, haben
wir schon, absolute
Zweitklassigkeit der deutschen Informatik seit ca.
1992. Vorher, wo die deutsche Informatik zu den führenden in der Welt
gehörte, verwendete man in Fachkreisen nur wenige amerikanische Fachworte
(als ich 1980 das Siemens-Pascal-Projekt übernahm, war "OK" das einzige
weitverbreitete US-Informatik-Wort).
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Globalisierungszwänge?
Ist ein oft zu Unrecht gebrauchtes Argument für die Einführung
von Fremdwörtern in die Sprache. Denn Globalisierung ist keine Errungenschaft
der letzten Jahre, sondern eine natürliche Erscheinung im Industriezeitalter.
Eine ihrer Grundregeln lautet dabei: Global denken, aber lokal handeln
oder auch anders: Globalisierung beinhaltet Lokalisierung.
Trotzdem gab es in der Industrie, dem Dienstleistungsgewerbe, ja sogar
staatlichen Einrichtungen in Deutschland
niemals vorher diesen Hang zur krankhaften Überflutung einer
funktionierenden Sprache mit Fremdwörtern im Bereich der innerbetrieblichen
Kommunikation, Organisation und Werbung. Und damit eine Verunsicherung
eigener Mitarbeiter und breiter Bevölkerungsschichten bishin zur Begrenzung
ihrer Teilnahmemöglichkeiten am öffentlichen Leben.
Dazu noch ein Beispiel aus dem Land, welches von den Spracherneueren
doch gern als fortschrittlich, richtungsweisend und Vorbild schlechthin
angepriesen wird: den USA.
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Dummdeutsch, die Alternative zur englischen Sprache?
Nun, so jedenfalls scheinen es die Befürworter der Ersetzung deutscher Wörter durch Amismen
zu sehen. Ihrer Ansicht nach bietet die deutsche Sprache, zum Beispiel
in der EDV, keine sinnvollen Übersetzungsmöglichkeiten.
Immer wieder werden dafür verschiedene "Argumente" bemüht. Vom
autoritären: "Unmöglich, weil ..." bis zu lächerlich wirkend
sollenden Übersetzungsversionen. Eine davon, mit satirischen Elementen,
möchte ich unseren Lesern nicht vorenthalten, ich hänge sie
samt einem etwas seriöseren Übersetzungsversuch an diesen Text.
Eine ganz korrekte und ganz sachliche Fassung dieser "Probleme" in Deutsch
ist natürlich auch noch möglich...
(Text in "<< >>" von H.A, zweite Version von H.B)
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Betriebliche Kommunikation in Landessprache?
In den USA ist vor einigen Jahren durch ein Grundsatzurteil Englisch
als Unternehmenssprache zur Pflicht gemacht worden, um das Aufkommen
von Spanisch und Mehrsprachigkeit im Wirtschaftsleben zu verhindern.
Also ist man letztendlich auch in diesem Land zur Erkenntnis
gekommen, daß die weitergehende Einführung von Fremdsprachen
in das Arbeits- und Geschäftsleben die grundsätzlichen Rechte
der Mitarbeiter und Kunden in Frage stellt. Inländer wären
zur Kommunikation in einer Sprache gezwungen, die sie größtenteils
nur teilweise beherrschen; Irrtümer und Minderwertigkeitsgefühle
wären die Folge.
Nicht so überall, vor allem in Europa und Deutschland.
Globale Wirtschaftstätigkeiten, zuletzt Firmenzusammenschlüsse,
sind eine willkommene Gelegenheit für die Befürworter der englischen
Sprache im Betriebsleben: in Form einzelner Bezeichnungen, Namensgebungen
oder Bestrebungen zu ihrer Einführung als Unternehmenssprache. Als
Beispiele können hier die Lufthansa und Daimler-Chrysler angeführt
werden.
Im letzteren Fall berichtet FOCUS 19/1999 , daß
>>> ...erst nach massiven Bemühungen, auch des Betriebsrates,
die Ankündigung des Vorstandsvorsitzenden Schrempp zur Betriebssprache
nicht umgesetzt wurde: "Nicht-Manager dürfen im Zeichen des Sterns
wieder deutsch reden". <<<
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Wie benimmt man sich im Netz? - Nettikett
Netzsitten (Nettikett / Netiquette) und einige Überlegungen dazu.
[Netiquette :: Kunstwort aus "Netz" und "Etikette", engl. "net" und
"etiquette"]
Für eine funktionierende Kommunikation im Netz genügt nicht
nur die Erfüllung technischer Voraussetzungen,
auch ein großes Maß von Selbstdisziplin seiner Teilnehmer
und die Einhaltung einiger Regeln, der Netzsitten sind
unabdingbar.
Wir möchten hier auf einige der wichtigsten Aspekte dieses Problems
eingehen.
Höflichkeit ist ein gutes Rezept. Ihre Nachricht hat größere
Chancen gelesen zu werden und Sie, daß Ihnen im
Bedarfsfall geholfen wird. Dazu noch einige Regeln:
- Schreiben Sie nie etwas, was Sie dem Adressaten nicht auch in Gegenwart
anderer Menschen ins Gesicht
sagen würden (wobei dies nicht als Aufruf zur
Kritikunterdrückung verstanden werden sollte!)
- Vorwürfe namentlich formulieren. Keinen Unmut-Matsch.
- Vorwürfe sachlich begründen.
- Auf Verächtlichmachung anderer verzichten.
- Seien Sie nicht enttäuscht, wenn Ihre Stellungsnahmen im Forum
nicht die von Ihnen gewünschte Resonanz
finden.
dann versenden!
Die Gefahr von Mißverständnissen, vor allem bei humoristisch
sein sollenden Bemerkungen ist groß, aber nicht jeder
muß davor Angst haben.
größere Chancen angenommen zu werden, wenn es den Anforderungen
an Stil, Niveau und Form genügt.
Letzendlich: Sie werden so gesehen, wie Sie schreiben!
potentiellen Leser die Entscheidung, ob dieser Artikel für ihn
von Wichtigkeit ist. Auch bei der direkten
Antwort sagt diese, jetzt mit "re:" versehene Zeile etwas aus. Nur
bei länger andauernden Diskussionen, in
denen das Thema sich zwischenzeitlich geändert hat, sollte man
auch an die Anpassung des Inhalts dieser
Zeile denken. Wobei aber auch der Gesprächsfaden sichtbar erhalten
bleiben sollte, z.B. durch den erwähnten Gebrauch der "Antwort/reply"-Funktion
des Netzprogrammes.
das persönliche Gespräch so selbstverständlich begleitende
Mimik oder Gestik. Er sieht nur Worte.
erhaltenes Schreiben ist es bequem und nützlich, die dort enthaltenen
Textstellen auf die Sie antworten möchten,
zu zitieren. Aber bitte nur diese. Das Anhängen ganzer (langer)
Schreiben, so wie es die Postprogramme
beim Aufruf von "Antwort"/"reply" anbieten, ist im Allgemeinen eine
Unsitte. Also bitte schön alle für die Antwort
belanglosen Zeilen löschen, Sie ersparen vielen Lesern unnötige
Mühe.
Es ist völlig legal, kurze Auszüge aus urheberrechtlich geschützten
Werken zu informationellen Zwecken zu
versenden. Was darüber hinaus geht, ist illegal. Zu den urheberrechtlich
geschützten Werken gehören unter
anderem Zeitungsartikel, Liedtexte, Programme, Bilder etc. Ebenfalls
illegal ist es natürlich auch, mit Wort
und/oder Bild zu Straftaten aufzurufen oder zumindest Anleitungen dafür
zu liefern.
Achten Sie darauf, daß Sie mit Ihrem Artikel keine Gesetze brechen
und bedenken Sie, daß sich evtl. jeder
strafbar macht, der solche Informationen auf dem eigenen Rechner hält
und anderen zugänglich macht.
einem Pseudonym zu verbergen, entspringt wohl der Überlegung,
daß man sich als Unbekannter mehr erlauben
darf, daß man weniger rücksichtsvoll sein kann. Von der
Allgemeinheit der Netznutzer wird der Gebrauch von
Pseudonymen negativ gewertet.
Trotzdem sollte man aber nicht vergessen, daß pseudonyme
Schreiber auch interessante Beiträge liefern können und
deswegen wie auch jeder andere Netzteilnehmer beurteilt werden sollten.
Mit dem guten Ruf im Forum hat er es schwieriger.
die Verbreitung reiner Werbeinformationen, vor allem bei größerem
Volumen im Epostverkehr, in
Diskussionsforen absolut unerwünscht.
Die Netzsitten-Antworten sollten dem Schreiber zur Anregung dienen,
nicht dem Nettikett-Ordnungswaechter.
Denn wer diese kleinen Fehler begeht schadet sich selber mehr als dem
Forum."
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Keine Assimilation von Lehnwörtern?
[Assimilation : Angleichung, Aufgehen in fremder Sprache]
>>> Wer behauptet, Lehnwörter nicht anpassen zu wollen "aus Respekt
vor der fremden Kultur", muß
diese ja dann in allem unverändert lassen: Lautung, Flexion und
vor allem Gebrauchsmöglichkeit.
Sogar Schreibung im Originalalphabet? Also, dann "Philosophie" in griechischen
Buchstaben bitte
und mit der Aussprache "P-hilosop-hie", nicht mit F-Lauten, wie erst
Jahrhunderte nach der
klassischen Zeit. Oder welche Periode soll für jedes Wort als
die "richtige" festgelegt werden?
Nichts für ungut, aber wer Sprachwandel leugnet oder seine Abschaffung
propagiert (Übernahme von
Wörtern als Lehnwörter samt Assimilation ist ein wichtiger
und unverzichtbarer Sprachwandelprozeß),
der steht sachlich auf verlorenem Posten. <<<
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Lächerliche Übersetzungsvorschläge?
Es ist verhältnismäßig einfach für den Kritiker der
Sprachwahrungsbemühungen
diese ins Lächerliche zu ziehen, Dummdeutsch
als Alternative anzusehen (Hartware, Weichware,Gesichtserker
Winzigweich sind beliebte Beispiele). Er befleißigt sich
dabei keiner fundierten,
wissenschaftlichen Methode, sondern versucht diese Lächerlichkeit
an einigen, nicht unbedingt
korrekten Beispielen zu dokumentieren. Womöglich versucht dieser
Kritiker sogar
selbst seine "Fähigkeiten" unter Beweis zu stellen, indem er den
fremden Begriff
wortgenau, aber ohne Beachtung der jeweiligen Wortbedeutung übersetzt.
Da wird aus dem "motherboard" das "Mutterbrett", trotzdem der Begriff
Hauptplatine
gängig und bekannt ist.
Oder er versucht anhand eigener, manchmal auch nur punktueller Kenntnisse
einer
Fremdsprache, jegliche fundierte Übersetzungsversuche als unnötig
(weil doch bekannt)
oder als lächerlich abzutun. Womit die Sprache dann mit einer
Menge, für die Allgemeinheit
unverständlichen, Wörtern verbleiben müßte.
Wenn es denn nach den Sprachwahrungskritikern gehen sollte.
Die Lächerlichkeit vieler "lächerlicher" Übersetzungen
resultiert aus
der oberflächlichen Betrachtungsweise die dabei genutzt wird.
Nur weil ein ins
Deutsche übersetzte Wort ungewohnt klingt, wird es gern verworfen.
Trotzdem das
englische Vorbild eigentlich auch lächerlich klingen sollte; nur
wer von den
Kritikern ist der anderen Sprache so mächtig um es herauszuhören?
Im Englischen: motherboard und logisch dazu daughterboards - was wäre
an den
deutschen Mutter- und Tochterplatinen auszusetzen?
Wo wir doch Tochterfirmen, Tochtergesellschaften und Tochterunternehmen
anstandslos akzeptieren?
Hartmut Pilch meint dazu: Viele vermeintliche Lächerlichkeit entstammt
einem
Schmalspurdenken. Derjenige, der das "Mutterbrett" fuer lächerlich
hält,
kennt nur eine verengte Bedeutung dieses Begriffs und ist es nicht
gewohnt,
seine Fantasie ausserhalb konventioneller Bahnen laufen zu lassen.
Was sich
ausserhalb dieser Sicherheit gewährenden Bahnen bewegt, wird dann
als ketzerisch
empfunden.
Insofern ist Sprachwahrung auch eine Art der Aufklärung.
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Haben die Bemühungen privater Initiativen und Vereine überhaupt einen Sinn?
Aber ja, muß man natürlich antworten. Dafür gibt es mehrere
Begründungen.
-Die deutsche Sprache braucht in ihrer gegenwärtigen Lage ein
Sprachrohr, das
auf ihre katastrophale Situation aufmerksam macht.
-Die Menschen welche sich dieser Sprache bedienen brauchen schon heute
Hilfe um
sich verständigen zu können, um diese Sprache zu verstehen.
Nicht ohne Grund
erscheinen viele diesbezügliche Wörterbücher,
häufen sich entsprechende
Wörterlisten im Netz.
-Bei der andauernden Überflutung mit fremden Termini sollte es
jemanden geben,
der sich ihnen widmet, der sie wo notwendig oder möglich,
durch ein
verständliches Wort ersetzt.
-Es hat sich erwiesen, daß der Bedarf an Auskunft, Hilfe und
vor allem an
einem Ansprechspartner groß ist. Viele Menschen empfinden
den Niedergang
unserer Sprache als einen persönlichen Verlust und diesen
Menschen zu
helfen ergibt einen tiefen Sinn.
"Die großen Kultursprachen sind die großartigsten und bei
weitem am mühsamsten
errichteten Kunstwerke der Menschheit, erbaut und verfeinert in Hunderten
von
Generationen. Eines dieser Kunstwerke haben wir Deutschen vorgefunden
ohne
allen Verdienst. Also haben wir guten Grund, dieses grandiose
Monument der
Welterfahrung, der Gewitztheit und der Phantasie nicht den Schreihälsen
und den
Wortverdrehern auszuliefern, sondern uns redlich zu plagen, daß
wir es vielleicht
mit ein paar Verdiensten weitergeben können an die nächste
Generation - damit
sie mindestens dieselbe Chance hat wie wir, ihre Wünsche zu artikulieren,
>ihre Nöte hinauszuschreien und ihren Geist das Fliegen zu lehren."
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Wozu auf Deutsch beharren, wäre eine einheitliche
Weltsprache nicht besser?
Also eine durch stufenweise Sprachvermischung entstandene Weltsprache, wobei
die jetzige Denglisierung unserer Sprache sozusagen die erste Stufe darstellen würde.
1. Sprachvermischung führt zu einer komplexen und ausdrucksschwachen
Sprache.
Einer Vielzahl an konkurrierenden Sprachsystemen
innerhalb derselben
Sprache steht kein Gewinn an Ausdruckskraft
gegenüber. Alle auf Ausdruckskraft
angelegten Kunstsprachen streben nach Einfachheit
und Reinheit.
2. Wenn die deutsche Sprache in einigen Generationen wirklich sterben
und der
Weltsprache Platz machen sollte, geht dies auch
ohne vorheriges Siechtum.
Ein Tod in Würde ist möglich.
3. Die Welt-Einheitskultur ist nicht unbedingt wünschenswert.
Die Welt wird sich eventuell besser entwickeln,
wenn mehrere konkurrierende
Regionalkulturen sich eigenständig entwickeln
können.
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Englische Wörter sind verständlicher?
Mag für den Engländer zutreffen. Er kennt die Feinheiten seiner
Sprache, er fühlt sie und
weiß sie entsprechend anzuwenden. Leider stellt der Großteil
der in unserer
Sprache vorgefundenen Amismen oder Pseudoangliszismen gerade
das
Gegenteil dar: Es sind Sammel- oder
Hülsenwörter, die
die im deutschen
Sprachgebrauch bekannte und präzise Bedeutung im besten Fall umschreiben.
Beispiele wie power, set, service, event, highlight, ticket gibt es
zuhauf.
Aber auch andere, Mode- oder Imponiergehabewörter sind für
Ottonormalverbraucher nicht verständlicher, wenn es für den
jeweiligen Begriff
ein etabliertes, deutsches Wort gibt.
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Internationale Unternehmensausrichtung fordert Kauderwelsch?
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Englische Wörter sind kürzer?
Manchmal schon. Nur, was für eine Bedeutung kann man dieser Tatsache
beimessen? Ein längeres Wort, eine präzisere
Beschreibungsmöglichkeit einer
Situation sind höher zu werten als mehrdeutige oder unverständliche
Kürzel.
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Deutschtümelei als Motiv von Sprachwahreraktivitäten?
In der des öfteren unterstellten Form - bestimmt nicht.
Weder nationalistisches noch anderes rechtsradikales Gedankengut inspiriert
das Handeln echter Sprachwahrer. Sie widmen sich lediglich der Sprache, einem Kulturgut höchsten
Ranges.
Niemand von ihnen möchte, daß ihr Handeln, ihre Bemühungen in einen Zusammenhang mit unrühmlichen Aktivitäten um "das Deutschtum"
aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts gleichgesetzt werden. Diese Verknüpfungen
gibt es nicht. Es geht um den Erhalt der Sprache als
funktionstüchtigem, zwischenmenschlichem Verständigungselement!
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Warum geht man gegen Fremdwörter an?
Viele behaupten, sie stellen auch heute eine Bereicherung unserer Sprache
dar.
Die Wahrheit ist anders. Bei der heutigen Schwemme von Amerikanismen ist es nur in den seltensten Fällen so.
Jede Sprache lebt auch von Importen und auch die deutsche Sprache hat sich
in der Vergangenheit bei anderen Sprachen bedient. Nur hat diese Methode
Grenzen:
Nämlich da, wo die Anzahl der Importe die eigene Sprache an den
Rand der Unverständlichkeit bringt;
da, wo Fremwörter einen qualitativ minderwertigen Ersatz für einen im Deutschen definierbaren Begriff
bedeuten;
da, wo das Fremdwort ein entsprechendes, heimisches Wort eliminiert oder es vergessen läßt;
oder gar da, wo es einen Hülsenwortcharakter hat (power, service, cool)
und eigentlich nur von u.U. profilierungssüchtigen, geltungshungrigen Menschen zur Aufwertung
des eigenen Ichs gebraucht wird.
Denn in diesen Fällen führt das einerseits zur Diskriminierung
vieler anderer, dieses Wort nicht verstehender
Menschen und anderseits zur Verarmung der Sprache, ihrer Ausdrucksfähigkeit.
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Die deutsche Sprache von fremden Einflüssen
isolieren?
Die Regeln die zur Entwicklung und Erhaltung einer
Sprache beitragen sind eigentlich klar. Deswegen wird das Hauptanliegen eines Sprachwahrers
nicht erstrangig
die
Ausmerzung, sondern besser die Bemühungen um Nichteinführung
unnötiger
Fremdwörter (unnötig dann, wenn es diese Begriffe im Deutschen
schon gibt).
Und zweitens die Übersetzung allgemein gebrauchter Begriffe
damit diese
sich problemlos in die Sprache einfügen und so der Verständlichkeit
dienen
und den Gebrauch der Sprache fördern können.
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Jeder Eingriff in die Entwicklung der Sprache ist willkürlich
und unbegründet?
Eine dogmatische Formulierung, eine Argumentation fern der
Sprachwissenschaften!
Ein Blick auf die Geschichte des Deutschen und
vieler anderer Sprachen zeigt, daß häufig sprachplanende
Kräfte mit positivem Ergebnis in den Gang der
Entwicklung eingegriffen haben, daß
- der "Sprachreinigungsreflex" eine nicht zu unterschätzende Kraft ist, deren Auftreten
man geradezu voraussehen kann, also etwas natürliches
- Sprachplanung sich zum Vorteil einiger Sprachen ausgewirkt hat
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Sprache und Kultur, einige Überlegungen
Weiter bedeutet die Sprache als Kulturmerkmal auch die wichtigste Integrationshilfe
für jedes Mitglied einer Sprachgemeinschaft - einer gesellschaftlichen Gruppe. Die Sprache kann ihm zur
eigener Identitätsfindung verhelfen, das unterbewußte Zugehörigkeitsgefühl zur Gruppe stärken. Diesem
positiven Aspekt wird häufig zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Dabei lassen viele negative Erscheinungen
in der Gesellschaft, so z.B. die Orientierungslosigkeit vieler Jugendlicher oder ihre Ausrichtung auf billige und flache
Modeerscheinungen der konsumorientierten Welt gerade diese Schlußfolgerung zu.
Das fehlende Zugehörigkeitsgefühl
mag dann auch das ausschlaggebende Motiv dieser Jugendlicher sein, sich falschen Propheten anzuschließen:
Propheten die ihre (primitive) Sprache sprechen, die ihnen das Gemeinschaftsgefühl vermitteln, welches die Gesellschaft
mit einer sich negativ entwickelnden Kultur ihnen nicht mehr bieten kann.
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Mit der Übernahme von Produkten sollte
man auch deren Namen übernehmen?
Das hängt vom Einzelfall ab, aber im Allgemeinen ist es für eine
Sprachgemeinschaft praktischer, wenn ihr eigenes Sprachsystem
bei
der Einführung neuer Benennungen verwendet und gepflegt wird.
Man kann internationale Begriffe auch dadurch einführen, daß man
sie übersetzt.
Dadurch kann man sogar eine schnellere Verbreitung des Begriffes und
seine gründlichere Rezeption erzielen.
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Sind die Begriffe "Schimpansensprache"
und "Denglisch" gleichzusetzen?
Dazu vorab das Motto mit Augenzwinkern: "Wenn wir mal von der Verunglimpfung
der Schimpansen durch diesen Vergleich absehen, können wir durchaus
über
etwaige Parallelen dieser Begriffe sprechen"
Aber wer weiß schon etwas über die Verständigungsmöglichkeiten
zwischen Primaten?
Wir stellen uns einfach vor, daß eine beschränkte Anzahl
von unkomplizierten Lauten,
also etwas sprachenähnliches der Verständigung dient. Wie
bei jungen Menschen,
die das Sprechen lernen.
Und gerade in dieser Richtung bewegt sich die Sprache wieder, wenn
ihr Worte
entzogen werden und anstelle vieler, ausdruckstarker Begriffe ein einziges
Hülsenwort
kommt. Beispiele:
'power' hat nicht nur im technischen Bereich mehrere Bedeutungen
sondern wird auch
in der Umgangssprache für Stärke, Tatkraft, Energie, Antrieb,
Durchsetzungsvermögen,
Lebenslust und andere Wörter eingesetzt. Man sagt dafür einfach: 'power'
und hat immer Recht,
oder besser, man hat niemals das Richtige gesagt.
'cool' ist noch so ein wenigsagendes Modewort für den,
der die deutschen Begriffe: kühl,
frisch, leicht, gekühlt, kaltblütig, eiskalt, unverfroren,
gelassen, besonnen, bedächtig,
ruhig, stark - nicht mehr richtig auseinander halten kann.
Und ähnliche Beispiele gibt es noch zuhauf.
Bei mit solchen Worthülsen aufgebauten Sätzen kommen wir
dann schon in bedenkliche
Nähe der Artikulierungsmöglichkeiten der am Anfang zitierten
Primaten.
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Technische Termini sollten grundsätzlich
unübersetzt bleiben?
Falsch1 Das würde der Verständlichkeit keinen Vorschub leisten. Außerdem
sollte man
immer daran denken, daß die Originalbezeichnung eines Gerätes,
einer Methode,
eines Vorganges auf einer Sprache basiert, deren Feinheiten und Gefüge
nur dem
Muttersprachler zugängig sind. Und daß diese Originalbezeichnung
im Deutschen
gewöhnlich mehrere Bedeutungen zuläßt:
interface : Grenzfläche, Grenzschicht, Schnittstelle, Verbindung,
Kontakt -
aber auch koppeln.
set : Besteck, Menge, Ableger, Bühne, Garnitur oder als Verb auch:
setzen
stellen, legen, versetzen,
fassen...
Diese Beispiele lassen sich häufen. In diesem Zusammenhang schreibt
Hartmut Pilch:
>>>...gibt es sehr viele Beispiele, wo die deutsche Terminologie
differenzierter ist. Wenn man sich um eine deutsche Terminologie
überhaupt
bemüht, wird sie zwangsläufig differenzierter ausfallen als
die englische,
denn sie ist ja das Ergebnis einer nachträglichen Systematisierung.
Wir sind für nachträgliche Systematisierung in der eigenen
Muttersprache. Das
ist die Sprache, in der man meistens denkt, und es ist eine Frage des
Gemeinsinns, dass man seinen Gesprächspartnern die Früchte
seines Denkens in
Form einer verfeinerten Terminologie zur Verfügung stellt.<<<
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Warum überhaupt wird die Sprache mit Fremdwörtern versetzt?
Hier wollen wir nur die Ursachen des Gebrauches unnötiger Fremdwörter
zu definieren versuchen.
1. Imponiergehabe
In vielen Fällen werden Fremdwörter, vorzugsweise Amerikanismen,
in die Sprache einbezogen um anzudeuten, daß man diese Fremdsprache kennt(?), daß man
sie gebrauchen kann, daß man international berappt, vielleicht gebildet ist.
In Wirklichkeit beherrscht ein gebildeter Mensch vor allem seine Muttersprache
kann sich in ihr artikulieren. Ein gebildeter Mensch wird kaum versuchen,
aufgrund seines Wissens Minderwertigkeitskomplexe bei anderen auszulösen.
Ein gebildeter
Mensch versteht die tieferen Zusammenhänge denen eine Sprache
unterworfen ist
und wird ihr Bestehen und ihre Entwicklung nicht durch den unüberlegten
Gebrauch von Fremdwörtern gefährden. Ein gebildeter Mensch
endlich kennt
und spricht wahrscheinlich diese oder jene Fremdsprache - aber er wird
sie
nicht unkritisch, aus Geltungssucht mit seiner Muttersprache mischen.
2. Herdeninstinkt
Dieses Phänomen mag für eine Großzahl unserer Mitbürger
ausschlaggebend sein.
Einfach nicht auffallen! Alles Fremde nachsprechen, wenn´s denn
klappt, oder stillschweigend bejahen. Daß diese Vorgehensweise zu einem stetigen
Verlust heimischer Wörter, zu einer Verarmung der eigenen Sprache führt,
ist für diese Menschen kein Problem. Ihnen fehlt nämlich das Selbstbewußtsein
zur Artikulierung ihrer Meinung in Worten, die nicht mehr populär scheinen. Da
plappert man lieber in Worthülsen, gebraucht Wörter die eine vielfache Deutung
zulassen, unter Umständen selbst nicht verstanden werden und bleibt damit im Trend.
Der Herde also.
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3. Internationalisierungsbestreben
Dafür wird vor allem von Seite der Fachsprachler argumentiert. Man
sollte hier vorausschicken, daß dies in manchen Fällen und eng definierten
Bereichen der Wissenschaft durchaus begründet sein kann. Müßig, hier
Beispiele wie Medizin, Botanik o.a. anzuführen.
Ich wehre mich dagegen in Bereichen, die der Allgemeinheit alltäglich
zugänglich sind. Fachgebiete wie z.B. die EDV mit ihren in viele
Hunderte, wenn nicht Tausende gehenden Begriffen, können nicht
der Willkür einiger Fachleute ausgesetzt bleiben. Die dann bestimmen, daß
es ein keyboard, cache, location o.ä. gibt, aber keine Tastatur, Zwischenspeicher
oder Adresse.
Hier haben wir es nämlich mit der Geltungssucht einer Menschengruppe
zu tun, die ihrer Wichtigkeit durch Angehörigkeit zu einer, den anderen
verschlossenen Kaste, Ausdruck verleihen möchte.
4. Vergangenheitsbewältigung
Ein allgemeiner Grund für die Anfälligkeit der Deutschen zur
Übernahme
amerikanischer Wortbrocken, amerikanischer Bezeichnungen, amerikanischer
Lebensarten ist auch ein Vergangenheitsbewätigungsversuch.
Mit der Verleumdung des Deutschen, seien es Sprache, Schrift oder Gewohnheiten,
versuchen die Menschen sich von vergangenen Tragödien abzukoppeln,
nichts damit zu tun zu haben. Dies kommt in vielen Fällen einem Identitätsverlust,
einer Abkoppelung von Tradition und Werten gleich. Einem Verlust des
Zusammengehörigkeitsgefühles und der kreativen
Sprachentwicklungsmöglichkeiten.
Hierzu noch Dr. Horst Hensel: "...weist seitens der Germanistik und
des
Deutschunterrichts auf ideologische Vorbehalte hin - viele mögen
sich ganz
einfach nicht zu irgendetwas Deutschem bekennen, und wenn es nur die
Muttersprache ist..."
5. Vorbildsuche
Diese eben geschilderten Umstände mögen für eine Anzahl
von vorrangig jungen
Menschen der Grund für das unkritische Nachahmen von Gewohnheiten
und Sprache
sein. Das schillernde Amerikanische, die Filme, die Dauerberieselung mit
englischsprachiger Musik, die Freiheiten(?) jenseits
des
Ozeans, für seriösere Zeitgenossen auch die amerikanische
Demokratie, das
alles können (zwar nicht hinterfragte, aber vielleicht gerade deswegen) Vorbilder
für den
weniger kritischen Menschen sein.
Bei der großen Mehrheit mit kaum einer persönlichen
Meinung zu dem
Angesprochenen, ist das gewöhnliche Nachäffen das Ausschlagebende.
Wenn der Mann im Fernsehen (der ist doch wer!) "event" sagt, dann ist es wohl
richtig.
Wenn die Zeitung (das ist doch fast schon ein Dokument!) "crash"
schreibt, gebraucht man wahrscheinlich die Wörter "Unfall", "Zusammenstoß",
"Absturz", "Unglück" nicht mehr.
Wenn der Politiker, der Abgeordnete von "high tech" oder "news"
spricht, dann gibt es dafür wohl keine anderen Wörter.
Also tun wir es genau so und wir können damit nicht schlecht liegen!
Unter Jugendlichen, in Gruppen, in der Schule fallen diese Verhaltensmuster
besonders drastisch aus: Hier ist Lernen angesagt, also müssen
die (negativen)Vorbilder ran.
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Nein, jeder adoptirt ihn so freudig, wie die Grasmücke den jungen Kukuk,
und diese Sprachverbesserer sind einander Gegenstände der Bewunderung
und Nachahmung.
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Nichtenglische Fremdwörter - keine Bedrohung
der Sprache?
Verfechter der denglischlastigen Sprache führen als Hauptargument
für die Notwendigkeit des
Gebrauches von Fremdwörtern des öfteren die Anwesenheit vieler
Wörter lateinischen oder
französichen Ursprungs in der deutschen Sprache an. Sie übersehen
hier aber einige grundsätzliche
Unterschiede zwischen der Einführung dieser Wörter im Laufe
von Jahrzehnten oder
Jahrhunderten und der heutigen Überschwemmung des Deutschen mit
Amerikanismen oder noch
schlimmer, Pseudoamerikanismen oder -anglizismen. Eine etwas ausführlichere
Argumentation
von Hartmut Pilch:
Ein paar vereinzelte Wörter schaden dem System nicht, besonders nicht
dann, wenn sie vom System assimiliert sind.
Die lateinischen Woerter im Deutschen sind assimiliert. Sie funktionieren
weitgehend so wie einheimische deutsche Wörter.
Ich kann z.B.
bilden:
Wenn ich daraus:
prodjuhsen
geprodjuhst
prodjuhsbar
prodjuhsgeneigt
Sicherlich gibt es auch beim latino-deutschen Erbe einiges zu Entrümpeln.
Es gibt Wörter, die nur den Wortschatz aufblähen, ohne neue
Ausdruckskraft zu schaffen. Diese Entrümpelung ist jedoch in
vollem
Gange.
In jeder Sprache kann man solche Entrümpelungsprozesse beobachten.
Viele Menschen streben nach einfachem und klarem Ausdruck, nach einem
günstigen Verhältnis zwischen Ausdrucksaufwand und Ausdruckserfolg,
m.a.W. nach einer schönen Sprache.
Dem stehen Kraefte gegenüber, die das Sprachsystem mit unnützem Ballast
zumüllen. Gerade die Stimmen, die man in der Öffentlichkeit
hört,
verfolgen nicht immer das Wahre, Gute und Schöne, sondern schnöde
Eigeninteressen. Ein denkfaules Publikum bringt einer werbefinanzierten
Medienwirtschaft mehr Geld als ein aufgeklärtes. Denkfaulheit
wird
heutzutage bei uns meist im Gewand von Anglizismen propagiert.
Nicht von
Latinismen.<<<
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Sind "diskussionsbedürftige" Wörterlisten
ein Weg zur Eindämmung überflüssiger Anglizismen?
Kritiker dieser Listen weisen auf negative Urteile in dieser Angelegenheit
hin:
-- da werden Wörter zitiert, die schon in die Umgangssprache eingegangen sind
-- da werden Übersetzungen angeboten die lächerlich klingen
-- da werden Menschen entsprechende Wörter "verordnet"
Denn ohne solcher, z.B. Wörterlisten laufen wir in die Gefahr, daß uns
bei Bedarf Wörter fehlen.
Dies sind nicht nur persönliche Erfahrungen, Menschen der
schreibenden Zunft stehen öfters vor der Frage: "Ja, wie sagt man das
eigentlich?" oder "man merkt es schon garnicht mehr, wenn man ein Hülsenwort
gebraucht, aber gleichzeitig zwei oder drei eigentlich bekannte deutsche
Wörter links liegen läßt".
Dadurch kommt es dann zur Ausdrucksarmut bei dem
persönlich gesprochenen Wort und zur allgemeinen Verarmung der Sprache.
Weil eben treffende, niuancenreiche Wörter in die Vergessenheit geraten.
Weiter sind es Wörter, die für zeitgenössische Begriffe
gebraucht werden. Es gibt Menschen, die sind der Meinunung, daß für den Begriff
"A" kein deutsches Wort notwendig ist, andere, daß dies für den Begriff "B"
zutrifft, andere wieder für "C". Aber die letzteren verstehen weder "A" noch "B", die "A"-Kennenden
wissen nicht was "B" oder "C" bedeutet und so ist das Chaos komplett.
Nur eine Wörterliste, die für alle Begriffe deutsche Wörter
anbietet, auch für die "allgemein bekannten", "eingebürgerten", "selbsterklärenden"
kann Miß- oder Unverständnissen vorbeugen.
Daß diese Einstellung begründet ist bezeugen Wörterbücher,
die sich von ähnlichen Ideen leiten lassen.
Das Schlimme daran aber ist die unkritische Haltung der Nutzer eines
solchen Wörterbuches. Für ihn ist die Aufführung des Begriffes schon die Legitimation
der Zugehörigkeit zum allgemeinen Sprachschatz.
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Das französische Sprachenschutzgesetz
- ein Vorbild oder Abschreckung?
Loi Toubon vom 4.8.94. und seine Vorgänger 1972, 1975 u.a. -
diese reichen bis
in die Anfänge des 17. Jahrhunderts
2. Kaufmännische Aktivitäten, öffentliche Werbung in
Französich (mit Ausnahmen)
3. Öffentliche Werbung, unabhängig vom Ort in Französisch;
Androhung von Klagen
und Verboten
4. Fremdwortgebrauch nur mit Übersetzungsvorschlägen
5. Bei vorhandenen französischen Synominen ist der Gebrauch der
entsprechenden
Fremdwörter verboten (Ausnahmen bei Auslandskontakten)
6. Französisch bei Demonstrationen, Kongressen, Sitzungen
7. Fremdsprachige, aber staatlich geförderte Veröffentlichungen,
mit wenigstens
einer französischen Zusammenfassung
8. Das Gleiche gilt für Verträge (Kauf-, Arbeitsverträge)
9. Interne Arbeitsverträge, -bedingungen in Französisch
10. Ausnahmen für nicht ersetzbare Fremdwörter in Arbeitsverträgen
11. Unterrichtssprache ist Französisch (Ausnahmen für internationale
und
ausländische Schulen)
12. Fernsehen und Rundfunk zwingend französisch (Ausnahmen: Originalfassungen)
13. Markennamen dürfen keine Fremdwörter sein wenn es einen
entsprechenden französischen Begriff gibt
14. Ausnahmen f. 13. - Gilt für Marken die nach der Gesetzesveröffentlichung
auf den Markt kommen
15. Öffentlich geförderten Projekten droht bei Verstoß
gegen das Gesetz die
Leistungseinstellung
16. Ahndung der Übertretungen von 2. durch Personen des öffentlichen
Rechtes
und Ordnung
17. Strafbarkeit der Behinderung der Ausführung von 16.
18. Für Klagen ist eine 5-tägige Einspruchsfrist eingeräumt
19. Sonderstatus für Dialekte und regionale Sprachen
~ ~ ~ ~ ~
In Deutschland:
Die Gegner eines deutschen Sprachengesetzes reichen von fanatischen
Sonderlingen
(es sei Sprachenfaschismus) bishin zu gemäßigten Ablehnern,
wie die GfDS in Wiesbaden oder das IDS in Mannheim.
(Letzteres auf den Vorstoß für ein Gesetz von Innensenator Eckart Werthebach:
"Mit Sprachgesetzen und Verdeutschungsangeboten ist den Motiven für den Gebrauch
von Anglizismen kaum beizukommen", schrieb Institutsdirektor Gerhard Stickel an
den Senator und lehnte bei dieser Gelegenheit auch die Bildung eines regierungsnahen Spracheninstitutes ab.)
Allen Ablehnern gemeinsam aber ist die unübersehbare Furcht vor einer Beurteilung
als Verfechter nationalistischen Gedankengutes (weil, es war einmal...), als deutschtümelnde
Kauze und die Blindheit auf den der Sprache zugefügten Schaden.
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Sprachverhunzung oder Lobbyarbeit?
Oder gar Kolonisierung der Sprache?
Die Werbung, der Arm der Konzerne greift hauptsächlich mittels
Worten nach ihren "Opfern", den Konsumenten. Möglichst einprägsamen,
überzeugenden, einlullenden, schillernden Worten. Hier bietet sich
denglisch mit seinem amerikanische Freiheit, amerikanischen Lebenstil suggerierendem
Vokabular an. Konsumieren sollen wir alle das was uns vorgegeben wird.
Möglichst viele das Gleiche. Möglichst viel von wenigen die Welt
umspannenden Konzernen. Uniformierung unserer Bedürfnisse.
Nur, wie gesagt, ist das für die wenigsten Menschen offensichtlich.
Wenn nämlich die Argumente der "Bereicherung" unserer Sprache in den
Vordergrund gerückt werden.
Zu diesem Thema sagt Otto Schily in seiner Arbeit: "Sprache und Politik"
u.a.:
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Sprachenvielfalt oder Sprachenvereinheitlichung
Dies wäre auch ein Aspekt des weltumspannenden Kulturimperialismus.
Immer mehr
Menschen wenden sich freiwillig oder gezwungener Weise von ihrer Muttersprache
ab.
Die Publikation wissenschaftlicher Arbeiten geschieht heute vorzugsweise
in Englisch.
Die Sprache großer (deutscher) Unternehmen tendiert auch im innerdeutschen
Verkehr
zum Englischen. Die Sprache des Internet ist zum übergroßen
Teil Englisch. Sogar in
deutschen Foren, mit nur deutschen Teilnehmern wird diese Sprache
"gepflegt". Deutsche
Entwickler schreiben erst garnicht deutsche Texte in ihre Programme,
es ist nicht
"zeitgemäß". In den beiden letzten Fällen aber kann
man des öfteren kaum noch von der englischen
Sprache sprechen, es ist die BSE (bad simple english). Über den
Schaden an der deutschen Sprache,
ihrer Verarmung in so einem Waisendasein macht sich bei diesen Menschen
niemand Sorgen. Denn es
ist eben keine offensichtliche, für jedermann einsichtige Wahrheit
- diese eine Facette des
Weltkulturimperialismus, das Sprachenmonopol.
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Sprachchauvinismus, ein nur negativ besetzter Begriff?
[Chauvinismus : übersteigerte, völkische Gesinnung (nach einer
franz. Lustspielfigur)]
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Sprachforum
- An- und Abmeldung in dem Diskussionsforum?
Sie möchten in der Diskussionrunde zum Thema deutsche Sprache
>>>logsys-de@ffii.org<<<
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Nämlich dann, wenn eine Diskussion auszuufern droht. Solche Fälle sind nämlich aus der Vergangenheit bekannt. Und ich hoffe wir und Sie haben
daraus unsere Lehre gezogen.
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Sie können sich natürlich jederzeit wieder
aus der Liste (dem Forum) austragen lassen. Dafür besuchen Sie wieder die Auskunftsseite des Forums
wo auch Abmeldung oder Paßwortänderung ermöglicht wird.
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Personen:
Klaus Däßler - Dipl.-Ing., Programmiersprachen
Rudolf Fischer - Aktiver des VWDS
Horst Hensel - Politik und Pädagogik, im VWDS/VDS-Vorstand
Hartmut Pilch - Aktiver im FFII, Sprachenspezialist
Johannes Rau - Bundespräsident
Wolf Schneider - Leiter der Hamburger Journalistenschule
Arthur Schopenhauer - Philosoph (1788 - 1860)
Otto Schily - Politiker (SPD)
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Letzte Änderung: Mai 2007