Inhaltsverzeichnis
1. Das Gesetz (2000)
2. Der Rat für polnische Sprache (2000)
3. Etwas zur Genese des Sprachengesetzes (1999)
4. Die Fremdwörtersprache (1999)
5. Aktivitäten rund ums Gesetz (2000)
6. Eine Ernüchterung - Zum Diktat (2003)
Gesetz
vom 7. Oktober 1999
über die polnische Sprache
Das polnische Parlament beschließt:
- in Anbetracht dessen, daß die polnische Sprache ein Grundelement
der nationalen Identität und ein
Kulturgut ist,
- in Anbetracht der geschichtlichen Erfahrungen, als die Bekämpfung
der Sprache durch Eroberer und
Okkupanten ein Werkzeug der Entnationalisierung
war,
- in Anerkennung der Notwendigkeit eines Schutzes der nationalen Identität
im Globalisierungsprozeß,
- in Anerkennung, daß die polnische Kultur ein Bestandteil beim
Bau des gemeinsamen kulturvielfältigen
Europas ist und die Bewahrung dieser Kultur nur
durch den Schutz der polnischen Sprache möglich ist,
- in Anerkennung dieses Schutzes als Pflicht für alle Organe und
öffentliche Institutionen der Republik Polen
und Schuldigkeit ihrer Bürger
dieses Gesetz.
Allgemeine Vorschriften
Art.1. Die Vorschriften dieses Gesetzes betreffen den Schutz der polnischen Sprache und ihren Gebrauch in der Öffentlichkeitsarbeit und im Rechtsverkehr auf dem Gebiet der Republik Polen.
Art.2. Das Gesetz berührt nicht:
1) Die Gesetzesvorschriften über das Verhältnis des
Staates zu Kirchen und anderen
Glaubensgemeinschaften, im Besonderen
die Ausübung der Glaubenspraktiken betreffend,
2) die Rechte nationaler Minderheiten und ethnischer Gruppen.
Art.3.1. Der Schutz der polnischen Sprache beruht im Besonderen auf:
1) der Sorge um den richtigen Gebrauch der Sprache und der Vervollkommnung
der Sprachleistungs-
fähigkeit ihrer Nutzer wie
auch der Schaffung solcher Verhältnisse, die die richtige Entwicklung
der
Sprache als Werkzeug der zwischenmenschlichen
Kommunikation ermöglichen,
2) der Entgegenwirkung einer Vulgarisierung,
3) der Verbreitung des Wissens um die Sprache und ihrer Rolle
in der Kultur,
4) der Verallgemeinung der Achtung für regionale Besonderheiten
und Dialekte, wie auch auf
dem Gegenwirken ihres Verlustes
5) der Förderung der polnischen Sprache auf der Welt
6) der Unterstützung der polnischen Sprachlehre im In-
und Ausland.
2. Dem Schutz der polnischen Sprache sind alle Staatsorgane, Institutionen
und am öffentlichen
Leben teilnehmende Organisationen
verpflichtet.
3. Der Minister für Erziehung und Bildung verfügt in Form einer
Verordnung über die Art der
Durchführung von Staatsexamen
der polnischen Sprache für Ausländer die diese amtliche
Bestätigung erlangen wollen.
Art. 4. Die polnische Sprache ist Amtssprache:
1) der verfassungsmäßigen Staatsorgane,
2) der kommunalen Selbstverwaltungsorgane und der ihnen unterstellten
Institutionen im Bereich ihrer öffentlichen
Aufgabenausführung,
3) der territorialen öffentlichen Verwaltung,
4) der für die Ausführung öffentlicher Aufgaben
bestimmten Einrichtungen,
5) der Organe, Institutionen und Ämter welche den unter
Pkt.1 | Pkt.3 unterstellt sind, zwecks Aufgabenrealisierung für
diese
Organe Berufene wie auch staatliche
Organe oder Personen des öffentlichen Rechtes im Bereich der Ausführung
öffentlicher Aufgaben,
6) anderer als territorialer Selbstverwaltungsorgane wie auch
der von gesellschaftlichen, beruflichen, genossenschaftlichen und
anderen Verbänden die öffentliche
Aufgaben wahrnehmen.
Kapitel 2
Der Schutz der polnischen Sprache im öffentlichen Leben
Art. 5.1. Subjekte die öffentliche
Aufgaben auf dem Gebiet der Republik Polen ausführen müssen alle
amtlichen
Handlungen in polnischer Sprache ausführen, es sei denn, daß
detaillierte Vorschriften etwas anders vorsehen,
2. Die Vorschrift des Abs. 1 wird auch für die Niederlegung
von Erklärungen bei Organen, welche im Artikel 4
genannt sind, entsprechend angewendet.
Art. 6. Internationale
Verträge der Republik Polen müssen eine polnische Sprachversion
haben, die auch die
Auslegungsgrundlage ist, es sei denn, daß detaillierte Vorschriften
etwas anderes vorsehen.
Art. 7. 1. Die
polnische Sprache wird im Rechtsverkehr auf dem Gebiet der Republik Polen
zwischen polnischen
Subjekten oder wenn eine der Seiten ein polnisches Subjekt ist,
angewandt. Das betrifft im Besonderen die
Namensgebung von Waren und Dienstleistungen, Angeboten, Reklamen,
Bedienungsanleitungen, die Informationen
über Waren- und Dienstleistungseigenschaften, Garantiebedingungen,
Fakturen, Rechnungen und Quittungen.
2. Ein polnisches Subjekt ist nach der Auslegung des Gesetzes:
1) Eine natürliche Personen mit festem Wohnsitz in der Republik
Polen,
2) eine juristische Person oder Organisationseinheit ohne diesem
Status
-- die auf dem Gebiet der Republik Polen wirkt.
3. Der Gebrauch ausschließlich fremdsprachiger Bezeichnungen
im Rechtsverkehr, mit Ausnahme von
Eigennamen, ist auf dem Gebiet der Republik Polen verboten.
4. Fremdsprachige Waren- und Dienstleistungsbeschreibungen
sowie auch fremdsprachige Angebote
und Reklame die in den Rechtsverkehr welcher in Abs. 1 beschrieben wurde,
müssen gleichzeitig eine
polnische Sprachversion aufweisen.
5. Die Kontrolle über die Ausführung dieser in Abs. 1,3,
u.4 geschilderten Pflichten obliegt der
Handelsinspektion und dem Amt zum Schutze der Konkurrenz und des Verbrauchers.
Art. 8.
1. Wenn ein Vertragspartner eines auf dem Gebiet Polens auszuführender
Vertrag ein polnisches
Subjekt ist, wird dieser Vertrag in polnischer Sprache geschrieben,
2. Ein in polnischer Sprache niedergeschriebener Vertrag kann eine
lub mehrere fremdsprachige Versionen
beinhalten,
3. Für Verträge welche die Abs. 1 und 2 verletzen,
finden entsprechend Anwendung Art. 74 § 1, Satz 1 wie
auch Art. 74 § 2 des Zivilkodexes; ein fremdsprachig verfasster Vertrag
stellt keine Glaubhaftmachung eines rechtlichen
Vorganges dar, von welchem im Art. 74 § 2 des Zivilkodexes die Rede
ist.
Art.
9. Die polnische Sprache ist Lehr- und Prüfungssprache wie auch
Sprache der Diplomarbeiten in öffentlichen und
nichtöffentlichen Schulen aller Typen, in staalichen und nichtstaatlichen
höheren Schulen wie auch Bildungs-
und Erziehungsstätten, es sei denn daß detaillierte Vorschriften
es anders bestimmen.
Art.
10. 1. Aufschriften und Informationen in Ämtern und öffentlichen
Einrichtungen, wie auch für den öffentlichen
Empfang bestimmte und in öffentlichen Verkehrsmitteln werden in polnischer
Sprache erstellt,
2. Die Namen und Texte in polnischer Sprache können durch andersprachige
Übersetzungen, in Fällen und
Grenzen bestimmt durch Verordnung des Ministers für Öffentlichkeitsverwaltung,
begleitet werden.
Art. 11. Die Vorschriften der Art. 5 - 7 wie auch Art. 9 und Art.
10 betreffen nicht:
1) Eigennamen,
2) fremdsprachige Zeitungen, Zeitschriften, Bücher sowie Rechnerprogramme
mit Ausnahme derer Beschrei-
bungen und Anweisungen,
3) lehr- und wissenschaftliche Tätigkeiten an Hochschulen, Schulen
und Klassen mit fremden oder doppelten
Unterrichtssprachen, Lehrerfakultäte für Fremdsprachen wie auch
die Lehre anderer Fächer, wenn das mit
den detaillierten Vorschriften vereinbar ist,
4) wissenschaftliches und künstlerisches Schaffen,
5) üblicherweise gebrauchte wissenschaftliche und technische
Terminologie,
6) Warenzeichen, Handelsnamen sowie Herkunftsbezeichnungen für
Waren und Dienste.
Kapitel 3
Der Rat für polnische Sprache und seine Kompetenzen
Art. 12. 1. Als gutachterlich-beratende Einrichtung in Sachen Gebrauch
der polnischen Sprache wirkt der Rat
für polnische Sprache, weiter der "Rat" genannt, als Problemkomitee
in Auslegung des Art. 34 des Gesetzes vom
25. April 1997 über die Polnische Akademie der Wissenschaften (Dziennik
Ustaw Nr. 75, Pos. 469 und Nr. 141
Pos. 943 sowie von 1999 Nr. 49 Pos. 484)
2. Nicht seltener als zwei Jahre stellt der Rat dem Parlament und
Senat einen Bericht im Sinne des Art. 3
über den Stand Sprachschutzes der polnischen Sprache vor.
Art. 13. 1. Auf Antrag des Kulturministers, des Ministers für
Bildung und Erziehung, des Präsidenten der Polnischen
Akademie der Wissenschaften oder auch aus eigener Initiative äußert
der Rat im Wege eines Beschlusses seine
Meinung über den Gebrauch der polnischen Sprache in der Öffentlichkeitsarbeit
und im Rechtsverkehr und
setzt die Regeln für die Orthographie und Interpunktion der polnischen
Sprache fest.
2. Wissenschaftliche Gesellschaften, Vereinigungen schaffender Künstler
und Hochschulen können an den Rat
in Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem Gebrauch der polnische Sprache
herantreten.
Art. 14. 1. Jedes der Organe, von welchen die Rede in Art. 4 ist
kann, bei wesentlichen Zweifeln im Gebrauch der
polnischen Sprache im Zusammenhang mit Amtshandlungen, eine Meinung beim
Rat einholen,
2. Der Hersteller, Importeur wie auch der Verteiler einer Ware oder
Dienstes für welche(n) der Name in
polnischer Sprache fehlt, kann an den Rat mit einem Antrag um Stellungsnahme
zur entsprechenden
sprachlichen Form des Dienstes oder Ware herantreten.
Kapitel 4
Strafrechtliche Vorschriften
Art. 15. 1. Wer im Rechtsverkehr auf dem Gebiet der Republik Polen
ausschließlich fremdsprachliche Benennungen
für Waren und Dienstleistungen, Angebote, Werbung, Bedienungsanleutungen,
Waren- und Dienstleistungs-
beschreibungen, Garantiebedingungen, Fakturen, Rechnungen und Quittungen
benutzt, dabei die polnische
Sprachversion ausläßt,
unterliegt einer Geldstrafe
2. Bei Bestrafung für Zuwiderhandlung gegen die Vorschrift in
Abs. 1 kann eine Entschädigung nicht höher
als 100.000 zl zu Gunsten des Fonds zur Unterstützung der Schaffenden,
eingesetzt durch Art. 111 des Gesetzes
vom 4. Februar 1994 über Urheberrecht und verwandte Rechte (Dziennik
Ustaw Nr. 24, Pos. 83 | Nr. 43,
Pos. 170 sowie aus 1997 Nr. 43, Pos. 272 | Nr. 88, Pos. 554)
Kapitel 5
Änderungen der bestehenden Vorschriften und Endbestimmungen
Art. 16. 1. In dem Gesetz vom 26. Januar 1984, dem Pressegesetz
( Dziennik Ustaw Nr. 5 Pos. 24 von 1988, Nr. 41
Pos. 324, von 1989 Nr. 34 Pos. 187, von 1990 Nr. 29 Pos. 173, von 1991
Nr. 100 Pos. 442, von 1996 Nr. 114
Pos. 542 sowie von 1997 Nr. 88 Pos. 554 | Nr.121 Pos.770) werden folgende
Änderungen eingeführt:
1) In Art. 12 Abs. 1 in Pkt. 2 wird der der Punkt am Ende durch ein
Komma ersetzt und der Pkt. 3
mit folgendem Wortlaut hinzugefügt:
"3) auf korrekte Sprache achten und den Gebrauch von Vulgarismen meiden.";
2) in Art. 25 Abs.4 wird ein zweiter Satz folgenden Inhalts hinzugefügt:
"Ist auch verpflichtet auf eine korrekte Sprache der Pressematerials zu
achten und seiner
Vulgarisierung entgegen zu wirken."
Art. 17. Im Gesetz vom 29. Dezember 1992 über das Radio- und Fernsehwesen
(Dziennik Ustaw von 1993 Nr. 7
Pos. 34, von 1995 Nr. 66 Pos. 335 | Nr.142 Pos. 701, von 1996 Nr. 108 Pos.
496 sowie von 1997 Nr. 88 Pos. 554
| Nr.121 Pos.770) werden folgende Änderungen eingeführt:
1) in Art. 18 wird Abs. 5 folgenden Wortlauts hinzugefügt:
"Die Ausstrahler achten auf eine korrekte Sprache ihrer Programme und gehen
gegen ihre
Vulgarisierung an.";
2) in Art. 21 Abs. 1 wird Pkt. 6a folgenden Wortlauts hinzugefügt:
"6a) Verbreitung des Wissens um die polnische Sprache.";
Art. 18. Seine Gültigkeit verliert die Verordnung vom 30. November
1945 über die Staatssprache und der Sprache der
Regierungs- und Selbstverwaltungen (Dziennik Ustaw Nr. 57, Pos. 324).
Art. 19. Dieses Gesetz tritt nach Ablauf von 6 Monaten ab Veröffentlichung
in Kraft.
Der Präsident der Republik Polen: A.Kwasniewski
Übersetzung ohne Garantie auf rechtliche Übereinstimmung:
Karl Mosler
Glessen, im Februar 2000
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Der Rat, vormals nur ein Organ der Polnischen Akademie der Wissenschaften,
wurde durch das Sprachengesetz als
1. Die Analyse der Sprache und deren Zustand, sowie Aussagen zur staatlichen
Sprachpolitik.
Als Angehörige des Rates werden Personen aus dem Kreis der Polnischen
Akademie der Wissenschaften wie auch
Die Organe des Rates sind:
Die allgemeinen Versammlungen des Rates werden bei Bedarf einberufen,
jedoch nicht seltener als zweimal
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Bisherige Aktivitäten des Rates (Auszug)
- Vorbereitungsarbeiten für das Sprachengesetz
Einige Mitteilungen aus dem Protokoll der VI Sitzung des Rates
18.5.1999. - Mitglieder des Rates 1999-2002: prof.
dr hab. Irena Bajerowa, prof. dr hab. Jerzy Bralczyk,
Es wurden zusätzliche Mitglieder des Rates gewählt, der Arbeitsbericht
gehört, der Endbericht über den
Weiterhin gab es Informationen über den Stand der Arbeiten am "Manifest
über den Zustand des Polnischen", die
Nach Diskussionen wurden die Vorschläge für neue Vornamen,
die Namen der superschweren Elemente, einiger
Dann gab es noch Problemreferate über die Unkonsequenzen bei der
Schreibung von Fremdnamen. Letztendlich
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Februar 2000
Also zumindest in Polen gibt es das Phänomen "Sorge
um die Sprache". Es war der Motor aller Bemühungen um die Sprache,
in der ferneren Vergangenheit und auch jetzt. Charakteristisch, daß
dies nicht im Rahmen irgendwelcher Vereine geschah sondern, daß die
Sorge um die Sprache immer irgendwie "von oben" verordnet wurde. Die Anfänge
dieser Aktivitäten reichen ins XVI. Jahrhundert, wo die polnische
Sprache für die städtischen Kanzeleien festgelegt wurde. Konkurrierende
Sprachen in den damaligen Ostgebieten Polens waren das Russische und Latein.
Etwas zur "Sorge". Diese inspiriert einerseits die Schaffung positiver
Sprachmuster, anderseits offenbart sie sich durch die Bennennung und Bekämpfung
negativer Erscheinungen auf dem Gebiet der Sprache. Müßig dabei
zu sagen, daß die negativen Erscheinungen als solche erst durch die
Existenz positiver Sprachmuster zu erkennen sind.
Die Bekämpfung negativer Tendenzen in der Sprachentwicklung, jetzt
zusätzlich noch die umsichgreifende Manie zur Verwendung anglo-amerikanischer
Wortfetzen wird eine besondere Aufgabe der Sprachwahrer. Es ist die logische
Konsequenz der Würdigung der Sprache als Kulturgut höchsten Ranges.
Der Wert jeder Sache, also auch der Sprache, entscheidet über die
Notwendigkeit ihres Schutzes - so kann man dieses Prinzip menschlicher
Aktivitäten umschreiben. Auch des rechtlichen Schutzes.
Denn wenn der rechtliche Umweltschutz vorrangig nicht durch Strafen
wirkt, wenn er erzieherisch ein gesellschaftliches Verständnis einer
Pflicht dem geschützen Gut gegenüber hervorruft, dann findet
ein solches Gesetz auch die gesellschaftliche Zustimmung.
Aus der Entwicklung der polnischen Sprache kann man viele, auch für
die heutige Sprachen gültige Schlüsse ableiten. So war das XVII.
Jahrhundert der Anfang einer langsamen aber steten Degradierung der Sprache.
Verbunden war sie mit einem Verfall der Verlage, des Druckes, einer Verflachung
des Schulwesens und dem Kulturverfall - alles für Jahrhunderte. Hervorgerufen
durch eine fehlende, gesellschaftliche Sorge um die Sprache, und das im
Sinne nichtvorhandener Vorbilder wie auch dem Nichtbemerken einer Bedrohung.
Gleichzeitig verbreitete sich ein auch heute so bekannt anmutendes Phänomen:
Jeder der Edelleute, dem mit der Schulbildung ein wenig Latein auf den
Weg gegeben wurde, versuchte diese Brocken an den Mann zu bringen: Einsprenglungen
lateinischer Wörter in die Umgangssprache wurden die Regel. Der Makkaronismus
war geboren. Die polnische Sprache nahm damals viele neue Wörter an,
konnte sie aber nicht assimilieren. Sie verlor ihre Bündigkeit, dem
Merkmal innerlicher Konzentriertheit einer Sprache mit ausgebautem Bereich
außerlexikonografischer semantischer Beziehungen - alles zugunsten
einer zerstreuten, äußerlichen, fremden, zeitweise unverständlichen
"Lexikalität".
Diese Entwicklung brachte auch die im vorhergehenden Jahrhundert gut
entwickelte literarische Sprache zum Verfall, woraus man den Schluß
ziehen kann, daß die Sprache der Literatur kein ewiges Gut ist. Sie
muß sich in jeder historischen Periode von neuem aufbauen. Die gesellschaftliche
Situation fiel in jener Zeit mit dem Fehlen jeglicher institutionalisierter
Sorge um die Sprache zusammen. (Anders in Frankreich, wo gerade zu jener
Zeit die Institution geschaffen wurde, die sich bis heute um die französische
Sprache sorgt: Die Französische Akademie von Kardinal Richelieu, 1635.)
Und noch ein Beispiel zur Sprachentwicklung das die Frage: "Sorge oder
Nichtsorge um die Sprache?" etwas beleuchten kann. Das Weißrussische,
einst die Sprache des mächtigen Litauischen Großfürstentums,
verlor seine Bedeutung im XVIII. Jahrhundert, als sie durch die mächtigeren
Sprachen der angrenzenden Länder, auch als Amtsprache, ersetzt wurde.
Sie überlebte nicht einmal als Umgangssprache, denn eine 1995 durchgeführte
Volksabstimmung bestätigte das Russische. Die weißrussische
Sprache ist also tot; eine Antwort auf die Frage ob man eine Sprache einfach
ihrem Los überlassen kann. Sie nicht pflegen, keine Vorbilder schaffen,
keiner institutionalen Sorge unterwerfen.
Gegenwärtig wird die Sorge um die Sprache hauptsächlich mit
dem Kampf gegen negative Spracherscheinungen identifiziert. Das Bewußtsein
der Gesellschaft nimmt das Bedürfnis der positiven Beeinflussung der
Sprachentwicklung aufgrund abnehmender patriotischer Motive immer schwächer
wahr. Es gibt keine direkte Bedrohung der Sprache, auch keine Daseinsbedrohung
des Volkes durch fehlende Sprachpflege. Entgegengesetzt: Auch in Polen
werden Begriffe wie "Volk", vielleicht auch "Muttersprache" manchmal eher
etwas schamhaft behandelt - manchmal auch empfindet man sie als beengendes
Korsett auf dem Weg in die Moderne.
Im weiteren Verlauf dieser Überlegungen sollte der Standpunkt einer
entschiedenen Sorge um die Sprache, inclusive eventueller rechtlicher Regelungen,
sogar für den Fall fehlender, patriotischer Motive, vertreten werden.
Trotz Abschwächung der in ihrer Natur romantischen patriotischen
Empfindungen, die in Polens Vergangenheit viele wundervolle Werke die Muttersprache
betreffend, hervorgebracht haben, bestehen auch jetzt wesentliche Gründe
zur Veranlassung von Schritten zum Schutz der polnischen Sprache. Denn:
Die Sprache ist ein Kulturgut aber gleichzeitig auch eine wichtige wirtschafliche
Begriffsform mit Auswirkungen auf das Lebensniveau ihrer Nutzer in Bereichen
der Arbeitswelt, des Handels u.a.
Die Autoren zum rechtlichen Schutz der Sprache wörtlich:
Weitere Überlegungen betreffen das Sprachensterben. C. Moseley
sagte im mailändischen "L'Europe" vom 18. Januar 1995, daß im
XXI. Jahrhundert bis zu 3000 Sprachen aussterben werden und verglich das
mit dem Gattungssterben von Tier und Pflanzen in der Natur. Eine der aussterbenden
Sprachen könnte die polnische sein. Was bedeutet das? Eigentlich nicht
viel: die Welt wird weiterhin bestehen so wie sie auch schon vor der Entwicklung
der polnischen Sprache im XI. oder XII. Jahrhundert bestand. Also es ist
wahr, daß die Welt bestehen bleibt aber auch, daß sie ärmer
wird um all das, was wir ihr (und uns) polnisch zu sagen hätten.
Im wiedererstandenen Polen der zwanziger Jahre war das Gesetz
zur Amtssprache vom 31.7.1924, welches die polnische Sprache als
Staatssprache einsetzte, der erste Meilenstein zur ihrer Festigung. Es
folgten weitere regulierende Vorschriften bis in die neueste Zeit.
Für den Rechtszustand in Sachen Sprache vor der angestrebten gesetzlichen
Regelung kann man folgende Fehlzustände präzisieren:
*) Prof.Dr.hab. Walery Pisarek - Sprach- und Pressewissenschaften,
Vorsitzender des Rates für Polnische Sprache
Im Zusammenhang mit den rechtlichen Änderungen
im Bereich der allzu aufdringlich eingeführten Fremdwörtersprache,
möchte ich hier anzeigen, daß ich das polnische Rechtssystem
in diesem Bereich nicht mehr für zuständig betrachten kann. Denn
wie anders können in den Medien solche z.B. Wörter funktionieren,
Animals
anstatt Tiere, Mrozek by night - Mrozek noca
(nachts), Dzial Controllingu - Dzial Kontroli
(Kontrollabteilung), e-mail - e-poczta, layout
- uklad(Satzspiegel), leasing - dzierzawca
(Mieter), service - serwis, Teleexpress
- Teleekspres. Das Bauwesen ist seit Jahrhunderten ein Begriff, aber architektonisches
design
und developerzy sind erst seit kurzem da.
Ein ganzes Jahrhundert wurden Autos verkauft, aber erst seit einigen Jahren
tun das die dealer. Früher organisierten
die Filmleute eine Kandidatenschau oder führten eine Anwerbungsaktion
durch, jetzt gehen die zukünftigen Schauspielerinnen zum casting.
Niemand möchte etwas beobachten oder gar überwachen, da gibt
es nur das monitoring.
Das Parlament hat da
ein Gesetz verabschiedet, der Rat für polnische Sprache wird dazu
vielleicht einige rechte Erklärungen abgeben, aber der ganze Rest
wird mit dem Auge zwinkern, so wie in der bekannten Werbung für ein
Hopfenprodukt. (Vom Übersetzer: Weil Alkoholwerbung verboten, wird
für alkoholfreies Bier geworben; mit einem Augenzwinkern).
Deswegen schlage ich
vor, daß der Rat für polnische Sprache ein komplexes Programm
zum Schutze der polnischen Sprache verabschiedet (vorrangig für die
Schulen und die Medien), wie auch die Prozedur zur Namensschaffung für
neue Begriffe der Wissenschaft und Technik festlegt.
(Aus einem Schreiben an den Rat für polnische
Sprache vom 24. September 1999)
(Ausgesucht, übersetzt und gekürzt von
Karl Mosler)
Ein Wettbewerb der Wochenzeitschrift POLITYKA, Juni-August
2000 Die bekannte und sogar traditionsbehaftete Wochenzeitschrift POLITYKA
hat ein Preisauschreiben gestartet, in dem alle volljährigen Bürger
aufgerufen wurden, für im Umlauf befindliche Fremdwörter polnische
Synonyme zu finden.
Immer wieder finde ich es verwunderlich, mit welcher Selbstverständlichkeit
unsere Nachbarn ihrer Sprache zur Geltung verhelfen - oder es jedenfalls
versuchen. Hier ist es eine Initiative der POLITYKA, die als Jury für
ihr Unterfangen hochrangige Sprachwissenschaftler gewinnen und sogar
Preise für interessante Bennenungen bereitstellen konnte.
Das Preisausschreiben wird über zehn Wochen ausgetragen, zur Kür
treten jeweils 10 durch die Redaktion vorgegebene Fremdwörter an.
Daß auch in Polen Fremdwörter in alle Sparten des Lebens vorgedrungen
sind, beweist die Themenauswahl der laufenden Wochen:
Die Resonanz der Leser ist groß, neben vielen, manchmal in die
Hunderte gehender Vorschläge gibt es auch Briefe die sich mit dem
Problem der Fremwortüberschwemmung selbst befassen. Dabei ist das
Spektrum der Meinungen zu diesem Thema so breit wie in Deutschland: Von
"dringend notwendig" über "da kann man schon wenig tun" bishin zu
Feststellungen über die Notwendigkeit des Gebrauches dieser Fremdwörter.
Das aber sind nicht die Haupterkenntnisse dieser Aktion. Hauptsächlich
wird hier noch einmal bewiesen, wieviel Möglichkeiten die heimische
Sprache birgt.
So wurde für laptop sinngemäß
nalonnik
vorgeschlagen: etwas was man auf dem Schoß hat. Eindeutschungsvorschläge
gehen in ähnlicher Richtung, z.B. Schoßrechner,
eine Bezeichnung welche die Bedeutung sogar noch präziser wiedergibt
als das Original. Schößling käme
dem polnischen nalonnik nahe, ist aber schon
mit anderen Bedeutungen belegt.
Toaster, polnisch schon toster
geschrieben, wurde mit vielen, auch humoristischen Namen bedacht:
chlebopiek (Brotbäcker), palichleb
(Brotbrenner), chrupiec (Knusperer),
zweglacz (Verkohler), opalacz (Bräuner)
u.ä. Zum Glück war auch jemand dabei, welcher einen schon vergessenen
Namen ans Tageslicht brachte: opiekacz
, in etwa: Umbacker.
Organizer als Begriff für ein elektronischen
Terminplaner brachte neben vielen, vor allem spaßhaften Bezeichnungen,
wiederum eine alte, wohlbekannte polnische Bezeichnung ins Spiel:
terminarz, genau das was das englische Vorbild bedeutet.
Moderator als madry
tato (schlauer Papa) ist durch den sich ergänzenden Klang der
Ausprache beider Wörter interessant.
Copywriter, unser Werbetexter, wurde wohl
gemäß dem genossenen Image mit haslarz
(Paroler), reklamator (Werber),
sloganista
(Schlagworter) übersetzt. Dabei gab es neben direkten Anspielungen
auf die Namen vorrangiger polnischer Sprachwissenschaftler:
miodek, pisarek, aber auch eine Probe,
durch die Analyse dieses zweiten Namens die Übersetzung zu rechtfertigen:
(pisa)rz = Schriftsteller + (rek)lama
= Werbung. (Prof. Dr.hab. Walery Pisarek ist Jurymitglied dieses Wettbewerbs).
Es wäre müßig hier noch mehr der Beispiele zu bringen.
Es sind ihrer schon jetzt so viele, daß die Redaktion überrascht
war und schon im anfänglichen Stadium einen Riegel vorschieben mußte:
Alle Erklärungen, Erläuterungen und Begründungen sollten
auf beigelegten Blättern vorgebracht werden!
Alles in Allem: Viel Interessantes und die provokative Frage: "Was tust
Du, Deutschland, für Deine Sprache?" Glessen, im Juli 2000
--------------------------------------------
Hier zum besprochenen Preisausschreiben noch eine persönliche
Einschätzung des Vorsitzenden des Rates für polnische Sprache,
Dieses Preisausschreiben sollte man mit einem leichten Augenzwinkern
betrachten. In unserem Sprachengesetz geht es nicht um einzelne Wörter,
sondern um die Anwesenheit der polnischen Sprache in allen Lebensbereichen.
Den Menschen passionieren einzelne Wörter, also nutzen wir das zur
Popularisierung ihres Wissens um die Sprache. Wir erklären dabei auch,
daß nicht alles was fremd auch schlecht ist und das eine besonnene
Anleihe eines der wichtigsten Mittel zur Sprachbereicherung ist.
Glessen, im August 2000
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Rat für polnische Sprache.
(Eine Kurzbeschreibung)
Problemkomitee für die Auslegung jeglicher sprachlicher Fragen
etabliert. Im Besonderen betriftt das:
2. Die Zusammenarbeit mit allen betroffenen Ministerien bei der Beurteilung
der Sprachentwicklung und deren
Untersuchung.
3. Die Verbreitung des Wissens um die polnische Sprache, ihrer Änderungen,
um Normen und Gebrauchskriterien
wie auch die Organisation von Diskussionsforen und
wissenschaftlichen Konferenzen und die Nutzung der
Presse, des Rundfunks, des Fernsehens und der Informationsnetze.
4. Die Beurteilung und Aussagen zum Thema Qualität und Bedürfnissen
der Verlage im Bereich des Wissens
um die polnische Sprache, der polnischen Sprachkultur
und den Erhalt von Verlagsaktivitäten.
5. Die Entscheidungen bei Zweifeln im Bereich der Grammatik,
Aussprache, Orthographie und Interpunktion, aber
auch der stilistischen Gestalt von Aussagen und
die Suche nach Lösungen im Bereich der polnischen Sprache
in verschiedenen Disziplinen der Wissenschaft und
Technik, vorrangig der neuen Disziplinen.
6. Die Beurteilung des Gebrauches der polnischen Sprache in Veröffentlichungen
und dem Rechtsverkehr,
besonders in der Reklame, im Rundfunk, im Fernsehen
und der Verwaltung.
7. Die Namenbeurteilung (d.h. ihrer grammatischen i orthographischen
Form) die für neue Waren und
Dienstleistungen vorgeschlagen werden.
8. Die besondere Fürsorge um die Sprachkultur der Lehre in Schulen;
in dem die Analyse und die Beurteilung
der Lehrprogramme.
9. Eine schriftliche Beurteilung des Zustandes der polnischen Sprache,
vorbereitet und dem Parlament und dem
Senat nicht seltener als jedes zweite Jahr vorgestellt.
10. Die Festlegung der Regeln für Orthographie und Interpunktion
in der polnischen Sprache.
Spezialisten aus verschiedenen Wirtschaftsbereichen, wissenschaftlichen
Vereinigungen und Sozialwissen-
schaftler. Zur Mitarbeit zugelassen sind auch Schriftsteller, Journalisten,
Geistliche, Lehrer, Schauspieler,
Verleger und andere Kulturschaffende.
- Die allgemeine Versammlung der Rates
- Das Ratspräsidium
- Der Ratsvorsitzende
im Jahr.
Der Rat kann je nach Bedarf Arbeitsgemeinschaften ins Leben berufen.
- Mehrtägige Konferenzen unter dem Namen: "Wortkulturforum"
- Herausgabe der "Verlautbarungen des Rates für polnische
Sprache"
prof. dr hab. Jan Doroszewski, prof. dr hab.Tadeusz Drewnowski, prof.
dr hab. Antoni Furdal,
prof. dr hab. Stanislaw Gajda, prof. dr hab. Julian Kornhauser, prof.
dr hab. Bogus³aw Kreja,
prof. dr hab. Marian Kuca³a, prof. dr hab. Zenon Leszczyñski,
prof. dr hab. Andrzej Markowski,
prof. Danuta Michalowska, prof. dr hab. Jan Miodek, prof. dr hab. Jerzy
Pelc, prof. dr hab. Walery Pisarek,
prof. dr hab. Edward Polañski, prof. dr hab. Kazimierz Polañski,
czl. PAN, prof. dr hab. Jadwiga Puzynina,
prof. dr hab. Halina Satkiewicz, prof. dr hab. Janusz Tazbir, czl.
rzecz. PAN, Piotr Wojciechowski,
prof. dr hab. Jacek Wozniakowski (historia sztuki), Andrzej Ibis-Wróblewski,
prof. dr hab. Janusz Zakrzewski, czl. rzecz. PAN.
(PAN = Polska Akademia Nauk :: Polnische Akademie der Wissenschaften)
Wettbewerb "Schönes Polnisch" besprochen.
Vorbereitungen zum III "Wortkulturforum", und über das Los der
Sprachenschutzgesetzes.
Eigenschaftswörter, Beugungsformen und die Schreibweise mit Großbuchstaben
für einen bestimmten Namen
akzeptiert.
wurde die Fortsetzung der Arbeiten über die Vereinheitlichung
der Schreibweise ausländischer geographischer
Namen beschlossen.
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Etwas zur Genese des
Sprachengesetzes
(In Anlehnung an die Arbeit von Walery Pisarek* und Jolanta Rokoszowa:
"Der rechtliche Rahmen der Sorge um die Sprache")
Positive Sprachmuster, also Vorbilder sind auch die Grundlage für
die Gestaltung des Wertbegriffes für Elemente der Sprache. Die Bedrohung
der Werte wiederum führt schon direkt zur Enstehung einer Abwehrreaktion,
anders gesagt, es besteht die Notwendigkeit einer Werteverteidigung.
Die Sorge um die Sprache führte immer zu Normen, zu Regelungen,
Vorschriften und Wörterbüchern. Geschichtlich gesehen reichen
die Anfänge der Sprachregelungen in das schon angesprochene XVI. Jahrhundert.
Die polnische Sprachgeschichte basiert da auf der Arbeit der damaligen
Elite aber auch dem praktischen Wirken der Drucker bei der Erstellung von
orthographischen und grammatischen Regeln. Bis hier dürfte die Geschichte
der polnischen Sprache, die "Sorge" um ihre Korrektheit vergleichbar mit
vielen anderen Sprachen sein.
Erst in der Neuzeit, in den Zeiten der 150-jährigen Unterdrückung
und Teilung Polens, in den Zeiten in denen die Sprache ein patriotisches
Element zum Überleben des polnischen Volkes wurde, zeichnen sich Unterschiede
zu anderen Sprachen und ihrer jeweiligen Entwicklung ab.
Während sich die Sprache in den meisten anderen Ländern weiterhin
eher ungezwungen oder zufällig entwickelte, wurde sie in Polen zum
wichtigsten Element der Einigkeit eines zerschlagenen und degradierten
Volkes. Dieses Merkmal sollte der polnischen Sprache bis ins XX. Jahrhundert
erhalten bleiben und eins der Hauptmotive für später kommende
gesetzliche Regelungen zu ihrem Erhalt und Sauberkeit werden.
Administrative Eingriffe in die Sprache, d.h. die Formulierung von
Normen und Vorschriften, welche für die Allgemeinheit verpflichtend
waren, wurden erst durch die Unabhängigkeit Polens im Jahre 1918 möglich.
Es war ein patriotischer Kraftakt des Volkes der in den Zeiten zwischen
den beiden Weltkriegen die Vereinheitlichung der Staatssprache, die Reform
der Orthographie, die Terminologieerstellung und die Schaffung einer Bildungssprache
schaffte.
Nach dem zweiten Weltkrieg, in den Zeiten der Volksrepublik, wurde
diese Errungenschaft durch den sich verbreitenden, politisch motivierten
"Neusprech" der Führung, den sie zur Kommunikation mit dem Volk heranzog,
negativ beeinträchtigt. Diese totalitäre Sprache wurde von der
"Elite", Schriftstellern, Presse- und Radiomitarbeitern als solche erkannt.
Die Möglichkeit von Diskussionen zu diesem Thema, einer Abhilfe brachten
erst die Jahre nach dem Ende der Volksrepublik, praktisch das letzte Jahrzehnt
des XX. Jahrhunderts.
Der Rechtswissenschaftler könnte hier ein Problem sehen: Warum
soll hier etwas geschützt werden? Man schützt etwas, das sich
selbst überlassen verkommt oder degradiert wird. Der hauptsächliche
Zweck des Rechts ist der Schutz eines Gutes. Die Sorge um etwas, was ein
Gut darstellt, ist somit der erste Schritt für seinen Schutz und die
Grundlage für eine rechtliche Lösung. Meistens auch die
einzige Möglichkeit für einen wirkungsvollen Schutz.
Dieser Weg einer rechtlichen Lösung für den Schutz eines
Allgemeingutes wurde zuerst im Zusammenhang mit der Umwelt beschritten,
und das nicht nur im beschränkten Sinne der natürlichen Umwelt
sondern auch der im weiteren Sinne mit Elementen der Kultur und des Geistes.
So wie der rechtliche Umweltschutz seinen Ursprung in durch Laienbewegungen
initiertem Naturschutz hatte, so ähnlich könnte man diese Vorgehensweise
auch auf den Sprachenschutz anwenden.
Der Naturschutz wurde seinerzeits von Enthusiasten ins Leben berufen,
damals, als sich das Bewußtsein über die Notwendigkeit des Naturerhalts
durchsetzte. Also wurde ein Gesetz verabschiedet, das die Natur betrifft
- die Natur wurde zum Objekt des Gesetzes um durch den Naturschutz den
Naturgesetzen möglichst freien Lauf zu lassen.
Dieser rechtliche Umweltschutz ist auch eine Erziehungsmaßnahme,
er formt eine positive Einstellung zum geschützen Objekt. Weil doch
keine Strafe ein Umweltvergehen wiedergutmachen kann. Hier also auch eine
Analogie zur Sprachentwicklung?
Das kann sich ändern. Schon in den ersten Jahren der neuen Freiheit,
als sich englischsprachige Werbung, Firmennamen u.s.w. explosionsartig
verbreiteten, mehrten sich bedenkliche Stimmen. Auch seitens der englischsprachigen
Besucher, die Polen und nicht einen zweifelhaften Vorort Chicagos mit schlechtem
Englisch erleben wollten.
Verfolgen wir einmal den Gedanken: Sprachenschutz ein Teil des Umweltschutzes?
Auf den ersten Blick etwas unlogisch. Aber was ist Umweltschutz? "Umweltschutz
bedeutet die Schaffung optimaler Lebensbedingungen für den Menschen,
optimaler Entwicklungschancen. Einer nicht nur physischen Entwicklung,
aber auch der psychischen und kulturellen. Ein so definiertes Ziel des
Umweltschutzes beinhaltet also neben dem Schutz der für das biologische
Leben notwendiger Bestandteile, auch solche welche den psychischen
und kulturellen Bedürfnissen des Menschens dienen".
Niemand hat bei der Benennung der Sprache als Kulturgut Hemmungen.
Niemand stellt auch den rechtlichen Schutz von Kulturgütern in Frage.
Erst die rechtlichen Regelungen um die Sprache scheinen Bedenken hervorzurufen.
Doch wahrscheinlicher scheint es zu sein, daß der rechtliche Schutz
der Sprache eine Notwendigkeit wird. Denn die Alternative dazu hieße
Degradierung der Sprache. Einen geschichtlichen Prozeß der Degradierung
hat die polnische Sprache schon hinter sich.
Die Vorbilder der Sprache, seit jeher das geschriebene Wort in der
Literatur, der Presse, in wissenschaftlichen Arbeiten verlagern sich heutzutage
in Massenkommunikationsmittel, so z.B. die Werbung. Diese übernehmen
jetzt die reale Rolle der Sprachenvorbilder. Und die sind immer öfter
negativ.
Noch in den ersten Nachkriegsjahren gab die Literatur den Ton an, sie
war die effektive Norm. Heute ist die Wirkung der Medien vorherrschend
und es besteht ein Mißverhältnis zwischen den Auswirkungen von
Medien und normativem Wirken.
"Es scheint, daß man im Rechtssytem des Umweltschutzes eine
Analogie suchen kann. Vom sachlichen wie auch begrifflichen Standpunkt
her ist das Rechtssystem zu einer Einordnung der Muttersprache als Teilelement
des Umweltschutzes bereit.
Den Weg zur Verbreitung eines positiven Verhältnisses zum "Sorgeprogramm"
könnte seine rechtliche Regulierung darstellen, deren Ziel der Schutz
der Sprache als intellektuelles und Kulturgut samt seinen ausgearbeiteten
und bestehenden Normen im Verhältnis zur Muttersprache wie auch der
Umwelt ist. Diese rechtliche Regulierung sollte sich auf einem positiven
Rechtsempfinden stützen, welches nicht auf (zu umgehende) Strafen
und Sanktionen eingestellt ist - und das obwohl diese Auffassung
in unserer Gesellschaft ohne Tradition ist. Die Diskussion über die
rechtliche Sprachregulierung könnte ein Ausdruck einer reifen
gesellschaftlichen Einstellung zum Recht überhaupt sein. Und man muß
nicht noch einmal betonen, daß ein rechtliches Schutzprogramm eines
Gutes keine Einmischung in die Regeln seiner Funktionsweise sein muß,
es kann für Änderungen im Bereich dieses Gutes offen bleiben.
Seine Aufgabe sollte sich auf eine Eingriffsmöglichkeit im Falle von
negativen Entwicklungen beschränken."
Der Schutz der polnischen Sprache bleibt ein Element der kulturellen
und traditionellen europäischen Kultur. Und die polnische Sprache
ist ein polnisches Kulturgut, entstanden im Laufe vieler Generationen.
Dieses betätigt auch die Auffassung der nationalen Identität
durch die Polen selbst: 90% stufen die Sprache als höchstes Gut, welches
Polen und die Polen zusammenhält ein. Um 5% mehr als es die "gemeinsame
Geschichte", um 12% mehr als es die Heimat und um 30% mehr als es Religion
und Gemeinsamkeit des jetzigen und künftigen Schicksals tun.
Nur ist die Sprache ein besonderes Kulturgut, ihr passiver Schutz genügt
nicht. Sprachenschutz bedeutet auch die Gewährleistung der Möglichkeit
einer Sprachentwicklung, was wiederum bedeutet, daß die Sprache in
allen Sphären des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und staatlichen
Lebens Anwendung finden kann. Wohl deswegen gibt es in Ländern unseres
Zivilisationskreises womöglich kein einziges, in dem Sprachangelegenheiten
nicht gesetzlich geregelt sind. Das betrifft gewöhnlich die Staatssprache,
aber auch die Schulsprache, die Gerichts- oder Amtssprache sind oft einbezogen.
Und eine interessante Bemerkung: In vielen Nachschlagewerken ist die Information
über die Staatssprache vorrangig behandelt, Informationen über
die Umgangssprache, die Sprachen von Bevölkerungsgruppen werden oft
garnicht geboten.
Der Rang einer Sprache steigt mit ihrer Ernennung zur Staatssprache
und das wiederum privilegiert auch die Bürger, deren Muttersprache
sie ist. Hier können also Konflikte zwischen den Sprechern von Regionalsprachen
und Amtssprache entstehen. Dem sollte durch eine entsprechende Gesetzgebung
vorgebeugt werden. (Mehr dazu : Konvention über den Schutz von Minderheiten
und Europäische Karte der Regional- und Minderheitssprachen)
Die Gesetzgebung einzelner Länder zeigt unterschiedliche Einstellungen
gegenüber den eigenen Staatssprachen. Und es ist schwierig die dafür
verantwortlichen Beweggründe aufzuzeigen. Einen stärkeren
Schutz gewähren die Gesetze gewöhnlich jenen (Staats-)Sprachen,
die einer Gefährdung in Form von nachlassender internationaler Bedeutung
oder einem Rückgang als Kommunikationsmittel im eigenen Land unterworfen
sind. Doch rechtlicher Schutz einer Sprache bedeutet keinen automatischen
Erfolg. Das kann man z.B. von der irischen Sprache sagen - während
die hebräische Sprache, ab 1948 Staatssprache in Israel, sich erfolgreich
behauptet und entwickelt und für immer mehr Bürger die erste
Sprache ist. Ähnlich positiv kann die Situation in Norwegen bewertet
werden.
Fast scheint es so, als wäre der gesetzliche Sprachenschutz eine
vorrangige Maßnahme in Ländern die erst seit kurzem ihre Souveränität
erlangt haben. Dagegen spricht das Beispiel Weißrußland - dafür
aber Maßnahmen in Litauen, Estland und der Slowakei. Doch gesetzliche
Maßnahmen können auch Proteste der Opposition hervorrufen, so
geschehen in der Slowakei, wo die Gesetzgebung sich vorzugsweise gegen
amerikanische und tschechische Einsprengsel wendet.
Das Vorbild im Sprachenschutz ist zweifelsohne die französische
Gesetzgebung in der die Sprache "ein grundlegender Teil der Identität
und des Erbes Frankreichs" ist. Die französischen Gesetze von 1975
und 1994 wurden nicht nur vom Präsidenten unterschrieben, sondern
auch vom Ministerpräsidenten und den entsprechenden Ministern. Das
Parlament des kanadischen Quebec hat sich 1977 für eine Karte der
französischen Sprache (Charte de la langue francais) entschieden aufgrund
welcher das Amt für franzözische Sprache und der Rat für
französische Sprache ins Leben berufen wurden.
In der österreichischen Verfassung ist die deutsche Sprache als
Staatssprache deklariert, anders als in Deutschland oder Liechtenstein.
Im deutschen Grundgesetz kommt "die Sprache" nur einmal vor: nämlich
im Art. 3 wo es um die Bevorzugung lub Benachteiligung einzelner Bürger
geht. Die Präambel spricht vom "Deutschen Volk", an anderen Stellen
treten "Deutsche" in Erscheinung. Also alles keine Festlegungen im Sinne
der besprochenen Maßnahmen in anderen Ländern.
Zwei davon verdienen im Hinblick auf eine endgültige, gesetzliche
Regelung besondere Aufmerksamkeit:
- ein Rundschreiben des Ministerrates, welches allen Regierungsverwaltungsmitarbeitern
bei der Redigierung von amtlichen
Schreiben die Pflicht des Gebrauches einer korrekten Sprache nahe legt,
- und die Vorschriften zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs
von 1993. Diese Vorschriften zum Schutz der polnischsprechenden Verbraucher
schützt auch die polnische Sprache in einem wichtigen Teil des öffentlichen
Lebens: dem Handel, wie auch Gewerbe und der damit verbundenen Reklame.
1. Die Bestätigung der polnischen Sprache als Staatssprache
2. Die Sicherstellung des Gebrauches der polnischen Sprache allerorts
in Polen
3. Die Abstellung der Verdrängungsvorgänge der polnischen
Sprache von Schildern, Reklamen und Hinweistafeln
4. Die Einstufung einer fehlerfreien und verständlichen polnischen
Sprache als Pflichtvoraussetzung für jeden Mitarbeiter im staatlichen Dienst
5. Die Berufung von für die Sprache verantwortlichen Instititionen
6. Die Prozedur zur Erstellung einer verbindlichen Orthographie
Zum Seitenanfang/Inhaltsverzeichnis
Die
Fremdwörtersprache (cudzoziemszczyzna)
(Eine
Streitschrift von Miroslaw Nalezinski -
http://www.mirnal.neostrada.pl/cudzo-n.html
Ich schlage vor mit
car's zu fahren, nicht aber mit gewöhnlichen
Autos, denn mit car verbinden
wir doch intuitiv den Anfang der (patriotischen Kibitka-) Masseneinwegkommunikation.
(Vom Übersetzer: car = Zar, hier wird die Verbannung vieler Menschen
nach Sibirien angesprochen). Im Rahmen der geschichtlichen Revanche könnten
wir zwar mit dem car auf
Vollgas reisen behauptend, daß das Wort doch ... ein
russisches ist (also auch slawischen Ursprungs).
Fremde, vor allem englische
Bezeichnungen nobilitieren, wecken Vertrauen, sind so neuzeitlich (und
wir mit ihnen) so, daß ihre polnischen Entsprechungen richtig plump
wirken. Nicht ein Kunde wurde Opfer von Betrügern nur deswegen, weil
er sich durch die Eleganz fremder Wörter betören ließ.
Bitte lesen sie die erste,
beste Zeitung, sie wimmelt von Fremdwörtern. Dabei könnten die
Journalisten die Kultur der Sprache am einfachsten und wirksamsten, mit
bestem Erfolg propagieren. Das wäre auch ein patriotisches Werk.
Trotzdem der Bereich des Patriotismus einer
kontinuierlichen Schrumpfung unterliegt. Von Patrioten (des Krieges, der
Aufstände) hört man heute noch in der Schule. Jemand, der es
im täglichen Leben sein wollte, wird als Einfaltspinsel oder Heimgesuchter
abgestempelt. Das Wort klingt archaisch wie "patefon" (Vom Übersetzer:
erste Ausgabe vom Grammophon) - wer kennt das heute noch? Wer will heute
noch Verkäufer werden wenn er doch diler oder sogar dealer
werden kann?
Aktivitäten: z.B.ein Wörterwettbewerb in der Presse?
Sag's selbst in Polnisch
Gesundheit, Freizeit, Sport - Kultur, neue Strömungen
- Rechner und das Netz - Werbung und Verkaufsstrategien
- Finananzen und Unternehmensverwaltung - Technik, technische
Dienstleistungen und Geräte - Unterhaltungsmusik
- Mode und Kosmetik - Die Medien und Kino -
Essen und Küche.
Gesucht werden interessante, unterhaltsame oder vergessene Wörter.
Egal, ob es die deutsche oder polnische Sprache ist. Dieses Faktum
sollten sich die Fremdwortbefürworter immer wieder vor Augen führen.
Das Preisauschreiben brachte vergessene Wörter zu Tage, aber auch
überzeugende, neue Wörter.
Prof. Dr.hab. Walery Pisarek:
Zum Seitenanfang/Inhaltsverzeichnis
Folgenden, hier gekürzten und übersetzten Beitrag habe ich aus der Vitrine www.mirnal.neostrada.pl/dyktandn.htmla> von
Miroslaw Nalezinski übernommen.
Ich wollte hier einerseits die Geschichte um eine doch im Prinzip lobenswerte Intiative, das polnische Sprachengesetz, weiterhin fortsetzen - anderseits
aber auf ein Phänomen aufmerksam machen, wie wir es hier in Deutschland kaum kennen. Dem Leser möchte ich die Schlußfolgerungen überlassen.
Das Phänomen: Die Begeisterung und das Interesse für und an der Sprache in breiten Schichten der Bevölkerung, welche Verwunderung auslösen können.
Bei uns.
Angesichts der Flut von Wettbewerben in Polen zum Thema Rechtschreibung, an denen sich immer wieder Tausende von Bewerbern beteiligen, Wettbewerben
die durch Radio und Fernsehen propagiert werden, finde ich das öffentliche Interesse schon bemerkenswert. Das in einem Land, welches mit größeren als wir
sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu tun hat.
Wäre etwas ähnliches bei uns vorstellbar? Ich glaube nicht daran. Hat die PISA-Studie für nachhaltige Aufregung, für konkrete Erneuerungen gesorgt?
Haben unsere Medien - ich meine z.B. das öffentlich-rechtliche Fernsehen nennenswerte Anstrengungen zur Verbesserung der "Bildung" unternommen?
Deren Angebote zielen doch vor allem in Richtung Konsum und eher flacher Unterhaltung. Womöglich übernehmen die sogar bald Sendungen wie "Big Brother"
oder ähnlichem Blödsinn. Das scheint wahrscheinlicher.
Denn irgendein gezieltes Bildungsangebot in Sachen Sprache für die breiten Massen, wäre in den heutigen Verhältnissen wohl ein Reinfall - das meinten
jedenfalls die Verantwortlichen oder präziser: deren Fadenzieher, für die eine breite, sprachlose Masse die bessere Lösung ist.
Zum Diktat
Es ist eine orthographische Übung (auch Prüfung) bei der es um die Niederschrift eines vorgesprochenen Textes geht. Das Wort selbst stammt aus
dem Lateinischen und wurde als dyktando ins Polnische aufgenommen.
Viele Polen erinnern sich womöglich nicht mehr an ihre Schulzeiten, als dieses Wort noch helle Aufregung auslöste. Doch zu meinen Zeiten (und vieler älterer
Leser dieser Zeilen auch) war das Diktat die eigentlich Arbeit im Fach: polnische Sprache.
In den letzten Jahrzehnten wurde die Sprache um viele neue (Fremd)Wörter bereichert. Ein Teil erhielt typisch polnische Entsprechungen aber
die Mehrzahl fand sich auf dem polnischen Sprachgrund als phonetische Niederschrift wieder. Leider erfüllen davon viele, schon polnisch genannte Wörter
die Grundsätze/Anforderungen der polnischen Sprache nicht. Grundsätze könnte man Normen nennen. In vielen Bereichen des Lebens, der Produktion von Gütern,
gibt es Normen und die werden in der Regel beachtet. Falls nicht, gibt es kein gebrauchsfähiges Produkt, sondern Ausschuß. Das betrifft viele Gebiete,
die Medizin, das Recht und ...die Sprache. Auch wenn es etwas ungewöhnlich klingt.
Denn es wäre schon eine wundersame Ausnahme, wenn die Sprachkunde von "Ausschüssen" verschont bliebe. Und in den vergangenen Zeiten war die Kritik
überhaupt, also auch an der Sprache, selten möglich. Deswegen mag die Sprache jetzt schon Pfusch enthalten.
Doch heute haben wir ein (nicht befolgtes!) Gesetz zum Schutz der polnischen Sprache! Wie viel hat es gekostet und wie hoch ist der Nutzen?
Wahrscheinlich ging es damals um eine wirkliche Verbesserung unserer Sprache - aber der Effekt stellt wohl nur die Autoren dieses Gesetzes zufrieden.
Wie bei einem Großteil guter, polnischer Ideen...
Dieses Sprachgremium ließ unlängst hören, daß für eine Änderung der polnischen Orthographie im nächsten Jahrzehnt kein Bedarf bestehe.
Dabei ist unsere Sprache immer mehr verseucht und womöglich sieht das niemand. Und es könnte Jahre dauern bis die Mehrheit der Polen zur Überzeugung
kommt: Da stimmt was nicht! Hegen wir die Hoffnung, daß es nicht zu spät sein wird....
Der Gebrauch von Fremdwörtern, ihre Billigung in Gesetzen und Diktaten ist eine gewöhnliche Profanation. Die Gesetzestexte sträuben sich noch vor der
Expansion der fremden Launen, doch die Diktate....
Denn seit einigen Jahren können wir eine "Diktatplage" beobachten (im Radio u. Fernsehen,meine Bemerk. KM). Eigentlich wäre das nicht zu beanstanden.
Leider herrscht dort nicht
die polnische Sprache, herrschen gut verpolnischte Wörter, sondern Fremdwörter. Diese werden verbreitet - ganz gegen den Sinn des angesprochenen Gesetzes.
Ist das eine Posse, Hohn, ein Spaß? Kaum. Denn wer schaut heutzutage noch auf diese "klitzekleinen" Verfehlungen in der Logik der Sprache? Wenn doch gleichzeitig
die uns umgebende Wirklichkeit immer weniger mit Logik und Vernunft zu tun hat? Die Plünderung Polens in jeglicher Form: Riesensummen bei Abfindungen,
Parteienfilz und Vetternwirtschaft, Verheimlichung von Betrügereien und Betrügern, allgegenwärtige Korruption, Arbeitslosigkeit, fehlende Perspektiven
für die Jugend und das Schwinden von in der Vergangenheit bekannten Werten wie Ehrlichkeit und Patriotismus.
Wen stört es dann schon, wenn die Polonisten dem Volk sogenannte polnische Wettspiele mit dem juzing (to use)
von "Weltwörtern"
verordnen? Wer ist dafür verantwortlich, daß ein Diktat in polnischer Sprache nichtpolnische Wörter enthält?
Diktate der letzten Zeit könnten schon für Irritation, Verwunderung und Aufregung sorgen, wenn man es mit Wörtern wie diesen, zu tun bekommt: beaujolais,
biedermeier, boogie-woogie, businessman, chargé d'affaires, cheeseburger, chianti, cocker-spaniel, college'u, collie, come back, de facto, dossier,
drink-bar, ex aequo, explicite, fair play, fifty-fifty, findesieclowy, five o'clock, foyer, frutti di mare, garden party, heavymetal, idée fixe,
jive'a, Kentucky, keyboardzista, Nietzscheanski, offset, peugeot, quasi, randez-vous, rockandroll, savoir-vivre, scherzo, science fiction,
scrabble'a, shimmy, soap opera, squash, Tennessee, thriller, tournée, vis-a-vis, Woody'ego. - Was mag das sein, fragt man sich da schon.
In der polnischen Sprache herrscht eine weitgehende Übereinstimmung der gesprochenen und geschriebenen Sprache (Aussprache und Schrift). Wenn wir
aber ein Fremdwort gemäß den Regeln der jeweiligen Sprache aussprechen, können wir es nicht als polnisches Wort bezeichnen und in einem Diktat der
polnischen Sprache verwenden. Denn Wörter, welche die polnische Sprachnorm nicht erfüllen sollten weder da noch im Amtspolnisch Anwendung finden.
Zum Ausklang noch eine Analogie(?): Meinten Sie nicht auch, daß das gefallene Wörtergut der polnischen Sprache Parallelen mit bestimmten Damen zuläßt?
Früher schämte sich die Familie für ein Mitglied mit dieser Profession, heute ist sie gewöhnlich stolz, weil womöglich mit Geld, Ruhm und Öffentlichkeit
in entsprechenden Filmen verbunden. So auch die brave Sprache. Sie ist nicht in der Mode, weil sie nichts versprechen oder vorgaukeln kann.
(2003)